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Für Hans-Joachim Wöbbeking aus Bergkamen im Ruhrgebiet beginnt jede Bahnreise mit einem Anruf in Schwerin. Für den 56 Jahre alten Rollstuhlfahrer organisiert die Mobilitätsservice-Zentrale der Bahn in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns die nötigen Hilfen. "Ich brauche Züge mit Rollstuhlplätzen und Leute, die mich und mein Gefährt in die Bahn heben und herausholen", sagt Wöbbeking.
Wie er lassen sich tausende blinde, seh-, hör-, sprach- oder gehbehinderte Menschen von der Service-Stelle der Bahn helfen. Der Service umfasst die Auswahl geeigneter Züge mit möglichst wenig Umsteigevorgängen, Platzreservierungen - beispielsweise für Rollstuhlfahrer - und die Zusendung der Fahrscheine nach Hause. "Zudem unterstützen wir die Fahrgäste auf Wunsch beim Ein-, Um- und Aussteigen", erklärt der Leiter der Schweriner Service-Zentrale, Joachim Teobald.
Dabei stützen sich seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf eine spezielle Datenbank. Sie enthält präzise Informationen, welche Bahnhöfe im Bundesgebiet über barrierefreie Zugänge zum Bahnsteig verfügen, wo es Hublifte zum Ein- und Aussteigen gibt und zu welchen Zeiten Bahn-Beschäftigte vor Ort zur Verfügung stehen, um Reisenden mit Behinderungen zu helfen.
Vor zwei Jahren zog die Mobilitätsservice-Zentrale von Saarbrücken nach Schwerin. Die Einrichtung habe sich seit dem Start im April 1999 zum Dreh- und Angelpunkt für das Thema Bahnfahren für Menschen mit Handicap entwickelt, betont Jakob Patuschka, der bei der Bahntochter DB Dialog den Bereich Services leitet. "Jede der 36 Fachkräfte hat eine Sensibilisierungsschulung in Bezug auf die Belange von behinderten Menschen absolviert."
Doch auch die Airports und Fluggesellschaften entdecken Menschen mit Behinderungen mehr und mehr als Kunden. "Bitte teilen Sie Ihrem Reisebüro und Ihrer Fluggesellschaft bereits bei der Buchung mit, in welchem Umfang Sie Hilfe benötigen und bis zu welchem Grad Sie in Ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind." Damit beginnt ein ausführliches Informationsblatt der Behinderten-Service-Stelle des Rhein-Main-Flughafens in Frankfurt, das in ähnlicher Form auch andere Airports verteilen.
Reisende mit körperlichen Handicaps werden von den Sonderdiensten der Flughäfen von Bahnsteig oder Parkplatz zu den Schaltern der Fluggesellschaften begleitet. Neben der Lufthansa bieten auch Gesellschaften aus Australien, Kanada und den USA ähnliche Dienste. Dort ist die Gleichstellung behinderter Menschen in der Verfassung oder anderen Gesetzen verankert.
Die meist kostenlosen Dienste der Lufthansa-Mitarbeiter/innen haben nach Unternehmensangaben im zurückliegenden Jahr mehr als 400.000 Reisende in Anspruch genommen. Den Mobilitäts-Service der Bahn nutzen mehr als 200.000 Menschen.
Für manche Unterstützung der Flughäfen müssen die Nutzer noch zahlen. Doch nach einer kürzlich vom EU-Parlament beschlossenen Verordnung entfallen die Gebühren von 2008 an. Beim Bahn-Vorstand wurde eine Kontaktstelle für Menschen mit Behinderungen eingerichtet. Und in dem 2004 als Interessenvertretung der Fahrgäste gebildeten Kundenbeirat sind auch zwei Rollstuhlfahrer vertreten.
Wöbbeking ist Sprecher des Beirats. "Wir freuen uns, dass nach dem im Juni von Bahnchef Mehdorn und dem damaligen Bundeskanzler Schröder unterzeichneten Programm für gehandicapte Fahrgäste die Bahn von 2008 an Züge mit automatisch ein- und ausfahrbaren Rampen anschafft", betont Wöbbeking. Davon würden auch Eltern mit Kinderwagen profitieren.
(Internet: www.bahn.de/handicap und www.fraport.de)
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