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Michael Herbst: Dr. Otto Hauck erhält Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Ehrung mit amüsanten Zwischentönen



"Mit meiner Bescheidenheit kann es nicht weit her sein, denn das viele Lob habe ich gerne gehört." Als gewissenhaft, sachlich, ruhig, zuverlässig, kommunikativ, überzeugend und humorvoll war Dr. Otto Hauck zuvor u. a. beschrieben worden. "Wo der Schuh drückt, weiß der Träger am besten." Mit diesem Satz warb der 67-Jährige in seiner Dankesrede abermals für die Idee der Selbsthilfe. Die Überzeugung, dass sie nötig ist, um Staat und Gesellschaft um Hilfe bitten zu können, habe ihn stets getrieben.

60 Gäste hatten sich am 16. Dezember 2005 im historischen Saal des Marburger Rathauses versammelt. Marburgs Oberbürgermeister, Egon Vaupel, übernahm es, den Lebensweg des zu Ehrenden zu skizzieren. Chronologisch spannte er den Bogen von Haucks Geburt 1938 im fränkischen Rohrbach, die frühe Erblindung und den Besuch der Blindenschulen in Nürnberg und Marburg bis zur Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des DVBS im Januar 2005. 1959 legte Dr. Hauck sein Abitur ab und trat zehn Jahre später als Richter am Landgericht Marburg in den Justizdienst ein. In den 80er Jahren wurde er zum Vorsitzenden Richter ernannt und blieb bis zu seiner Pensionierung 1999 in dieser Funktion tätig.

Die Zahl 25 scheint eine gewisse Bedeutung im Leben des Dr. Otto Hauck zu besitzen: 25 Jahre lang gehörte er dem Vorstand der Blista an. Seit der Umstrukturierung der Bildungseinrichtung ist er stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates. 25 Jahre lang leitete Hauck die Fachgruppe Jura im DVBS, genauso lang führte er den Verein als dessen Vorsitzender. Sein Engagement im DVBS begann Hauck aber bereits 1971, als er die Leitung der Bezirksgruppe Hessen übernahm.

"Viele Persönlichkeiten unserer Stadt habe ich erst als Politiker näher kennen gelernt", bekannte Oberbürgermeister Vaupel, doch Dr. Hauck kennt der SPD-Politiker weit länger. Als zuständiger Sachbearbeiter für die Steuererklärungen der Eheleute Hauck beim Finanzamt Marburg genoss Vaupel stets die Unterhaltungen bei der Abgabe der Unterlagen. Schon damals spürte er Haucks Engagement und seine Überzeugungskraft, erinnerte sich Egon Vaupel.

Als "Marburger Urgestein" bezeichnete Justiz-Staatsekretär Dr. Thomas Schäfer den zu Ehrenden. Dr. Christean Wagner, der die Ordensverleihung ursprünglich vornehmen wollte, es wegen seines Wechsels von der Justizministeriums- in die CDU-Landtagsfraktionsspitze aber nicht mehr durfte, hatte Schäfer als "Mensch aus der Region" gebeten, ihn zu vertreten. Schäfer würdigte vor allem den Interessenvertreter Hauck: Er habe wesentliche inhaltliche Anstöße zur Gestaltung der Sozialgesetzbücher IX und XII gegeben. Als Beispiel nannte der Landespolitiker den zwischenzeitlich eingeführten Rechtsanspruch auf Arbeitsassistenz für behinderte Menschen. Und noch von einer weiteren Facette im Leben Dr. Haucks wusste Schäfer zu berichten: Sein ehemaliger Chef, jener Dr. Christean Wagner, hatte ihm berichtet, er habe bei den Marburger Meisterschaften im Schach einmal "vernichtend" gegen Hauck verloren und das bis heute nicht richtig verwunden. Da Hauck unlängst die Seniorenmeisterschaft errungen habe, wolle er Wagner empfehlen, es so bald nicht noch einmal zu versuchen.

"Ein Verdienstkreuz 1. Klasse überreiche ich zum ersten Mal", meinte Dr. Schäfer, als er den Orden an Dr. Hauck übergab. Dass der Bundespräsident sich entschieden habe, Hauck diese Ehrung und nicht etwa eine kleinere Ausfertigung zuteil werden zu lassen, zeige, welch herausragende Verdienste er sich erworben habe.

Sehr persönlich fiel die Gratulation des blista-Vorsitzenden, Jürgen Hertlein, aus. Er freue sich, dass der Bundespräsident seinem Antrag auf Verleihung des Bundesverdienstkreuzes entsprochen habe, sagte Hertlein. Er dankte insbesondere dem Ratgeber Otto Hauck. Was die blista tue, geschehe zum Wohle der blinden und sehbehinderten Schüler, mahne Hauck als Mitglied der blista-Kontrollorgane immer wieder. Hertlein versäumte aber auch nicht, sich bei Haucks Gattin Elisabeth zu bedanken, die allzu oft habe zurücktreten müssen, wenn die blista ihren Mann abends, am Wochenende und zuweilen auch im Urlaub beanspruchte.

Karsten Warnke, 2. Vorsitzender des DVBS, hob zunächst die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für die Gesellschaft hervor. "Um das Gemeinwesen zu erhalten oder gar zu verbessern, braucht es viele Ottos", meinte Warnke. Zu Haucks hervorstechendsten Eigenschaften gehöre es, loslassen zu können. Als Ehrenvorsitzender nehme Hauck zwar weiterhin an den Vorstandssitzungen teil, lasse "die Neuen aber machen" und verabschiede sich bisweilen vorzeitig mit den Worten: "Habe die Ehre." Wie vor ihm bereits Dr. Schäfer, gab auch Warnke seiner Hoffnung Ausdruck, Dr. Hauck möge die Ehrung nicht als Endpunkt seines Engagements, sondern als Motivation zu weiterer Mitarbeit begreifen. "Im DVBS ist Dr. Hauck bis heute im Haushaltsausschuss und in der horus-Redaktion aktiv", freute sich Warnke.

Haucks Weitblick hob der Vertreter des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), Manfred Scharbach, hervor. So initiierte Hauck Ende der 90er Jahre den "Gemeinsamen Arbeitskreis Rechtspolitik" (GAK) von DBSV und DVBS. "Wir ahnten damals, dass ein solches Gremium nötig werden würde", erinnerte sich Scharbach, "aber erst heute wissen wir definitiv, wie ungeheuer wichtig dieser Arbeitskreis ist." Damit spielte Scharbach auf die unzähligen Sozialreformen der letzten Jahre an, die zumindest im Ansatz längst nicht immer geeignet sind, die gleichberechtigte Teilhabe Blinder und Sehbehinderter voranzubringen. Hauck, der auch im GAK nach wie vor mitarbeitet, sei für die gesamte Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe ein innovativer Impulsgeber gewesen.

Der solchermaßen Geehrte dankte zunächst, indem er betonte, er allein hätte dieses Lebenswerk nie und nimmer schaffen können. "Die wenigsten guten Ideen hat man doch selbst", meinte Hauck. Im blista- wie im DVBS-Vorstand sei es für ihn weit mehr um das Zusammenführen unterschiedlicher Ansichten gegangen. Beharrlichkeit sei nötig, um "den Pflug im weiten Feld" ziehen zu können. Von der Erkenntnis im DVBS, dass ein Rechtsanspruch auf Arbeitsassistenz zu fordern sei, bis zur Verabschiedung des entsprechenden Gesetzes seien mehr als 20 Jahre vergangen. Er habe bereits an drei - zwischenzeitlich gescheiterten - Entwürfen eines zivilrechtlichen Antidiskriminierungsgesetzes mitgewirkt, erzählte Hauck, und nun hoffe er auf den erfolgreichen vierten Versuch. Er dankte seinen beiden Kindern und seiner Frau, die nicht nur zurückgetreten sei, sondern die Idee der Selbsthilfe längst auch zu ihrer Idee gemacht habe. Obgleich selbst an seiner Bescheidenheit zweifelnd, gab Hauck die ihm zuteil gewordene Ehrung dankend weiter; an die vielen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter, die ihn bei der Erreichung seiner Ziele geholfen haben. "Es geht eben nicht nur um die Idee, das Ziel, es geht vor allem um die Umsetzung", schloss Hauck.

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