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Christoph Dören: Die richtige Entscheidung

Die Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt am Main führt seit einiger Zeit eine Rehabilitationsmaßnahme für Blinde und Sehbehinderte zur PR-Assistenz durch. Wie diese Ausbildung sich für den Einzelnen gestalten kann und für wen sie etwas sein könnte, möchte ich in den folgenden Zeilen darstellen.

Dass Jura nichts für mich ist, hatte ich schon während des Studiums erkannt. Also war es Zeit, sich beruflich in eine andere Richtung zu begeben. Aber es gibt so viele Richtungen und, es ist nicht immer leicht, auf Anhieb die richtige einzuschlagen. Menschen schreiben Leitfäden darüber, wie man herausfinden kann, für was man geeignet sei oder wo der Weg hinführen könnte. Ich habe festgestellt, dass dies keine Leitfäden sind, die einen leiten, sondern Leidfäden, die einen leidend machen.

Eins wusste ich aber, ich wollte mit Menschen kommunizieren, mich austauschen und über neue Dinge nachdenken, also eine kreative Betätigung. Zuerst dachte ich an Journalismus oder einen Job beim Radio. Die Vorstellung gefiel mir schon, überzeugte mich aber nicht. Nun hörte ich auf einer Informationskassette einen Beitrag über eine Ausbildung zum PR-Assistenten bei der Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt am Main. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht genau, welche Bedeutung der Begriff PR-Assistent oder besser gesagt PR, überhaupt hat. Es fällt mir auch nach Beginn der Ausbildung immer noch schwer, das kurz und prägnant zu benennen. Hier eine Definition, die vielleicht neugierig macht:

"Public Relations, im deutschsprachigen Raum oft auch Öffentlichkeitsarbeit genannt, sind bewusstes, geplantes und kontinuierliches Kommunizieren mit dem Ziel, Verständnis und Vertrauen aufzubauen und zu erhalten."

Von der Stiftung Blindenanstalt hatte ich schon gehört, aber nichts Konkretes. Zunächst schaute ich mir die Homepage der Stiftung www.stiftung-blindenanstalt.de an. Dort fand ich einige Informationen, aber nicht genug. Das Interesse für die PR-Ausbildung hatte mich aber gepackt. Spontan griff ich zum Telefonhörer und rief bei Ursula Hollerbach - zuständig für die Ausbildung zur PR-Assistenz - in Frankfurt an.

Aber wie gestaltet sich die Ausbildung nun konkret? Diese Frage klärte sich bei einem persönlichen Treffen. Die Dauer der Ausbildung beträgt zwei Jahre und ist in zwei unterschiedliche Blöcke gegliedert: In ein Praktikum und in einen theoretischen Teil, der berufsbegleitend in Frankfurt stattfindet. In mehreren Wochenseminaren, geleitet von einem PR-Schaffenden aus der Schweiz, werden den Kursteilnehmern Grundlagen der PR vermittelt. Den Praktikumsplatz muss man sich mit Hilfe der Stiftung selbst suchen. In meinem Fall war das nicht ganz einfach. Die erste Zusage scheiterte, da die Agentur, bei der ich mich beworben hatte, Insolvenz anmelden musste. Ein zweiter Versuch bei Siemens schlug ebenfalls fehl. Schließlich fand ich eine Stelle bei der Deutschen Media Productions in Köln. Dies ist eine Unternehmung die zwei Jazzmusik-Labels unterhält, zum einen www.doublemoon.de und zum anderen www.betweenthelines.de. Formal musste ich nun einen Antrag auf Finanzierung der blindenspezifischen Arbeitsplatzausstattung sowie Unterhaltsleistung bei der Agentur für Arbeit stellen, die diese nach längerem Hin und Her übernahm.

Ein Problem, das ich noch von meinem Studium her kenne, war die Beschaffung von für blinde lesbare Literatur. Doch diese Schwierigkeit existiert bei der Ausbildung eigentlich nicht. Einige Bücher liegen elektronisch aufbereitet vor, und die Skripte der Seminare bekommen alle Kursteilnehmer per Mail zugesendet. Vieles kann man auch im Internet aufstöbern. Das finde ich sehr hilfreich, da so die Hürden der Informationsbeschaffung niedrig sind.

Was steht aber nun am Ende der Ausbildung? Sie schließt mit einer Prüfung der Deutschen Akademie für Public Relations, kurz DAPR (www.dapr.de) ab, die aber nicht speziell für Blinde oder Sehbehinderte konzipiert ist. Man erhält ein Zertifikat und darf sich DAPR geprüfter PR-Assistent nennen.

Nach ein paar Monaten, die nun vorüber sind, kann ich sagen: Es war die richtige Entscheidung. PR berührt die unterschiedlichsten Felder, Philosophie, Soziologie, Jura, Psychologie, BWL und VWL, um nur einige zu nennen. Wenn man nicht gerne nachdenkt, seine Meinungen nie ändern möchte und ein klar geregeltes Arbeitsverhältnis vorzieht, ist PR aus meiner Sicht nicht die erste Wahl. Da mich aber neue Dinge reizen, ich gerne dazulerne und mein mir gegebenes Gehirn beanspruchen möchte, sind Public Relations eine interessante Herausforderung und die Ausbildung bei der Stiftung Blindenanstalt ein guter Weg.

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