horus

Startseite > horus & Broschüren > 1/2006

horus & Broschüren

Suche

Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:

Suchbegriff:

Suchen in:


Claudia Gerike, Peter Staubach und Rita Schwörer sowie Regina Vollbrecht: Von Träumen und Dramen

Bericht über das Seminar der Fachgruppe Sozialwesen



"Auf der inneren und äußeren Bühne" war der Titel des Seminars der Fachgruppe Sozialwesen, das vom 30. September bis 2. Oktober im Frauenwerk Stein bei Nürnberg stattfand. Ein großes Haus, viele Gänge, etwas unübersichtlich, aber dafür mit sehr engagierten und freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die vieles Unmögliche möglich machten.

Am ersten Abend teilten wir zunächst die beiden Gruppen ein, die am Freitag, am Samstag und Teilen des Sonntagvormittags arbeiteten.



Arbeitsgruppe 1 "Die äußere Bühne" - Psychodrama


(Peter Staubach und Rita Schwörer)

Zwölf Teilnehmer hatten sich für den Psychodrama-Workshop angemeldet. Wir wollen versuchen, in diesem Bericht sowohl einen Einblick in die Methode des Psychodramas zu geben als auch unsere Erlebnisse zu schildern.

Der Name dieser Methode ist Programm: Die psychischen Fragestellungen werden wie in einem Drama auf der Bühne dargestellt und inszeniert. Das begann schon bei der Vorstellung der Teilnehmer. Wir betrachteten den Raum wie eine Landkarte und stellten uns so auf, wie die Orte lagen, aus denen wir kamen. Im Anschluss daran fand eine Umgruppierung statt, da wir uns nach beruflichen Tätigkeiten und Interessensgebieten sortierten. Also viel Bewegung gleich von Anfang an, und das setzte sich das ganze Wochenende fort.

Methodisch ist die Phase des "warming up" schon entscheidend wichtig, da die Gruppenteilnehmer sich normalerweise nicht kennen und so eine erste spielerische Annäherung stattfindet. Ein zweiter wichtiger Bestandteil der Methode ist die Rückmeldung (das Feedback) über Befindlichkeiten, momentane Gedanken und Gefühle, die jeden einzelnen bewegen. Diese werden auch immer wieder in Form von kurzen oder ausführlicheren "Runden" ausgetauscht.

Am nächsten Morgen ging es mit einer Runde los, in der jeder sagte, was ihn gerade bewegt. Und aus dieser ersten Runde des Tages ging unmittelbar ein Spiel hervor. Eine der Teilnehmerinnen hatte hier ein sie emotional sehr stark bewegendes Problem geschildert und war auch bereit, dies in Szene zu setzen. Die Spielerin (Protagonistin) schildert ihr Problem, sucht sich aus der Gruppe Personen aus, die für sie wesentliche Personen oder Dinge, auch Gefühle, darstellen und gibt Anweisungen darüber, wie diese sich verhalten sollen, ggf. auch, was diese genau sagen sollen. Durch Rollenwechsel, durch das so genannte "Doppeln", also das Äußern von Gefühlen der Protagonistin durch eine andere Person, durch wechselnde Arrangements und Personen wird versucht, das Problem erfahrbar zu machen und verschiedene Anteile, die die Spielerin in sich hat, deutlich zu machen. Da Bilder oft besonders aussagekräftig sind, werden diese gern in das Drama einbezogen und szenisch aufgebaut.

Im Anschluss an das Protagonistenspiel folgte immer ein Feedback der Spielerin und anschließend ein "Sharing", also die Rückmeldung der anderen Gruppenteilnehmer über eigene Erfahrungen, die denen der Spielerin ähnlich sind. Es gab an diesem Wochenende sehr häufig die Rückmeldung "das kenne ich auch" und "das ist mir auch oft so gegangen". Dadurch entstand ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Teilens von Kummer, Ängsten, Sorgen, aber auch von Freude. An das "Sharing" schloss sich noch das Feedback aus den Rollen der Mitspieler an. Die Protagonisten erlebten ihre Arbeit schon als anstrengend, wurden aber belohnt und getragen durch die Mitwirkung der ganzen Gruppe und nahmen sicher am meisten von uns allen mit nach Hause.

Nach einem Protagonistenspiel wird oft eine Aktivität eingebaut, bei der jedes einzelne Gruppenmitglied gleichermaßen beteiligt ist. In unserer Gruppe wurde das Thema des "inneren Helfers" bzw. "inneren Beraters" bearbeitet. Auf einen leeren Stuhl in der Mitte konnte jede/r eine Person setzen, mit der er/sie sich besprechen wollte. Einzelne spielten diese Beratungssituation auch, wobei sie selbst den Stuhl des Beraters einnahmen und als dieser mit dem Rat Suchenden (also mit sich selbst) sprachen. Diese Erfahrungen zeigten uns, dass man die Lösung für Probleme bereits in sich hat und dass diese durch den gespielten Berater zum Ausdruck kommen konnten. Für den Alltag konnten wir mitnehmen, dass wir diesen "inneren Berater" immer bei uns haben.

Das Thema "Traum" wurde nicht nur in dem parallel laufenden Workshop bearbeitet, sondern auch in unserer Gruppe. Für die Bearbeitung des Traums wurde das "Bett" aufgebaut, die Träumerin legte sich hin und erzählte ihren Traum aus dieser Lage. Dann wurde der Trauminhalt auf die Bühne gestellt. Während dieser Darstellung ergab sich eine wichtigere Fragestellung, die der Traum angesprochen hatte: Das Thema war Angst und Überforderung. Nun wurden diese Emotionen bearbeitet, Personen neu gruppiert, ein "Protagonistenspiel" entstand. Zum Abschluss des Spiels wurde der Traum in der Schlafumgebung beendet. Es folgte das Feedback, Sharing und Rollenfeedback.

Zum Mitnehmen war auch die "Tresor"-Übung. Probleme, die uns dauernd beschäftigen und von anderen Dingen ablenken, kann man für gewisse Zeit aus dem Bewusstsein fernhalten, indem man sie an einen sicheren Ort - in einen Tresor - steckt, aus dem sie bei passender Gelegenheit wieder herausgeholt werden können. Sie sind dort gut aufgehoben und drängen sich nicht, wie sonst so häufig, ungefragt in den Vordergrund.

Dieser Workshop war ein sehr intensives Erlebnis, getragen von der Zusammengehörigkeit der Gruppe und von der einfühlsamen und mitreißenden Art des Referenten, Berndt Kühnel, der uns von Anfang an in Bewegung und im Spiel halten konnte. Er wirkte immer vorwärts treibend, jedoch nicht so, dass man sich genötigt fühlte, etwas zu tun, was man nicht wollte. Im Namen der Teilnehmer möchten wir ihm hiermit unseren herzlichen Dank für ein anregendes Wochenende ausdrücken.



Arbeitsgruppe 2: "Die innere Bühne" - unsere Träume


(Regina Vollbrecht)

Eine beinahe alltägliche Situation - wer von uns kennt es nicht. Oft verfolgen uns unsere Konflikte und Zukunftsängste bis in den Schlaf, genauer gesagt in die Träume. So hatten wir in der zweiten Arbeitsgruppe, geleitet wurde diese vom Dipl. Psychologen Herrn Thomas Abel, die Möglichkeit uns mit Tag- und Nachtträumen zu befassen.

Am Freitagabend trafen wir uns zu sechst in dieser Kleingruppe und begannen mit einer Vorstellungsrunde, wo wir uns über erste Fragen zum Thema träumen austauschten. So z. B., ob wir unsere Blindheit oder Sehbehinderung von Geburt an haben. Oder wie wir träumen? Bevor wir uns am Freitagabend dem gemütlichen Teil zuwandten, lud uns Thomas noch zu einem Tagtraum ein. Ein Tagtraum ist eine Entspannungsübung, wo zu einem bestimmten Thema innere Bilder entstehen. Dies wird auch als die Technik des katathymen Bilderlebens bezeichnet. Unsere Aufgabe war es, uns eine Blume vorzustellen. Abschließend tauschten wir uns über unsere Vorstellungen bzw. "inneren Bilder" aus, so z. B. über den Duft und die Farbe einer Rose.

Am nächsten Tag befassten wir uns im Wechsel mit Nacht- und Tagträumen. Wir begannen damit, das eine Person ihren Nachttraum vorstellte, denn schließlich lag ja eine Nacht dazwischen, die somit Gelegenheit zum träumen bot. In der Kleingruppe besprachen wir dann diesen Traum. In der Auseinandersetzung mit den Nachtträumen hatten wir die Gelegenheit, uns über die Besonderheiten der Träume von Blinden und Sehbehinderten auszutauschen. Uns wurden Unterschiede bewusst, in der Darstellung von Bildern in Träumen der von Geburt an erblindeten oder spät erblindeten Personen. So konnte sich eine spät erblindete Teilnehmerin, Personen, die sie vor ihrer Erblindung kannte, im Traum genau optisch vorstellen. Personen, die sie nach ihrer Erblindung kennen lernte, tauchen im Traum mit anderen Charakteristika, wie Stimme u. a., so wie sie diese heute wahrnimmt, auf. Ein weiterer sehr schöner Tagtraum ist der Spaziergang durch den Wald. Gegenstände und Tiere haben hierbei eine bestimmte Bedeutung. So begegneten wir z. B. dem Wolf. Er ist das Symbol für die Autorität und so war es doch sehr interessant zu erfahren, wie jeder mit dieser umgeht.

Beruflich haben wir durch die Arbeit mit Nacht- und Tagträumen einen weiteren Zugang zu Konflikten oder Ängsten unserer Klienten, Patienten oder Kunden kennen gelernt.

Abschließend möchten wir uns noch bei Thomas, unserem "Traummann" für diesen gelungenen Workshop bedanken.


Seminarauswertung:


Am Sonntagvormittag trafen wir uns dann noch zu einer Auswertung der Arbeitsgruppen und um Ideen für weitere Veranstaltungen der Fachgruppe zu sammeln. Davon gab es eine ganze Menge und wir dürfen gespannt sein, was sich davon in den nächsten Jahren realisieren lässt. Insgesamt gesehen lässt sich sagen, dass das Seminar wieder ein voller Erfolg war.

Zurück zum Inhalt von 1/2006 |horus im Überblick

[Startseite]  Startseite  | [Kontakt]  Kontakt  | [Impressum]  Impressum | [Hilfe]  Hilfe