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Wilfried Laufenberg: Bilder, die berührt werden wollen … Werkstatt für Taktile Medien wieder offen!

Nachdem in der blista die Stelle für Taktile Medien mehrere Jahre nicht besetzt war, geht es seit dem 15. April 2005 wieder rund in der Werkstatt: Dipl. Designerin Sylvia Schwenger hat die Nachfolge von Uwe Stehlik angetreten und ist inzwischen, nach mehr als einem halben Jahr Einarbeitung, unsere neue Spezialistin für taktiles Gestalten.

Es geht nicht ohne tastbare Medien. Kein sehender Mensch käme auf die Idee, dass er ohne Bilder leben könnte! Nicht nur Foto-Magazine und Zeitschriften leben davon, uns Bilder der Welt anzubieten und überschlagen sich geradezu, wenn es um neue, sensationelle Aufnahmen geht.

Auch kein Sachbuch, sei es thematisch noch so trocken, kommt ohne Illustrationen, Abbildungen, Grafiken aus. "Begreifen" scheint sehr viel mit der Anschauung zu tun zu haben, mit der der Erkenntnisprozess anfängt.

Und erst recht in der Schule: Kein Buch ohne Hunderte von bunten Bildern, die veranschaulichen, zusammenfassen, verdichten, motivieren und den ansonsten leicht als trostlos empfundenen fließenden Text - ein wenig auflockern.
"Begreifen" blinde Menschen anders? Kommen sie mit beschreibenden Wörtern aus, wo sehende Zeitgenossen mit Bildern geradezu überschüttet werden?

Anders gefragt: Blinden Menschen entzieht sich durch die Einschränkung ihrer Wahrnehmung eine so unglaubliche Vielzahl von Eindrücken der Welt; sie müssen sich, durch ihre Blindheit bedingt, schon so viel vorstellen können, dass sich die Frage nach den Grundlagen dieses inneren Vorstellungsvermögens geradezu aufdrängt!

Woher kommen die Bilder bei blinden Menschen, wenn sie nicht über einen Rest an Sehvermögen verfügen?

"Begreifen" im Wortsinn ist der Schlüssel zur Antwort. Veranschaulichungen zu allen Bereichen des Wissens und der Kunst, möglichst viele Modelle, Stadtpläne, Gebäudeübersichten und anderes müsste blinden Menschen von Kindheit an tastbar zugänglich sein.

Sie ermöglichen es, mit den Händen zu erkunden und sich eine innere Repräsentanz zu erarbeiten, um dann mit Sehenden reden zu können im echten Sinne von: Wir wissen beide, wovon wir sprechen und können uns in der Sache verständigen.

Möglichst viele müsste es geben, und es gibt immer zu wenig tastbare Bilder. Die Herstellung ist aufwendig, manchmal sogar richtig kompliziert und, weil sie so viel Zeit in Anspruch nimmt, immer auch teuer.

Hier nach günstigeren Möglichkeiten der Herstellung zu suchen, ist eine wichtige Schiene. Die andere, zu der sich die Blista mit der Wiedereröffnung ihrer Taktilwerkstatt ebenfalls entschlossen hat, ist das Bekenntnis zur Notwendigkeit tastbarer Abbildungen für blinde Menschen und die Bekräftigung der hohen Qualität, auf die man dabei zielen muss.

Bezüglich der Qualität solcher "Typhlographien" ist die Produktion der Blista immer führend gewesen. Frau Schwenger wird hier in große Fußstapfen ihrer Vorgänger treten müssen (und tut es jetzt schon mit Erfolg!).

Natürlich kann man diskutieren, ob es nicht Zusammenhänge gibt, in denen es auch einfachere, weniger kostenaufwändig hergestellte Druck- oder Schwellpapierlösungen tun, aber nach unserer Auffassung und der Erfahrung aus dem pädagogischen Umfeld sind die plastischen, sehr differenzierten Abbildungen, die im klassischen Matrizenbau entstehen, immer noch unschlagbar bezüglich einer möglichst leichten Verständlichkeit auch komplexer Sachverhalte.

Ein zusätzlicher, wirkungsvoller Farbdruck auf den taktilen Abbildungen (für die Sehbehinderten und für die leichte Kommunikation mit sehenden Menschen) untermauert diese qualitative Spitzenstellung noch erheblich.

Blinden Menschen Zugang und Orientierung in öffentlichen Bereichen zu ermöglichen und zu erleichtern, sollte zumal unter den Vorzeichen der Barrierefreiheit, die heute als Standpunkt durchgesetzt ist, eine von allen an der Planung und Gestaltung des öffentlichen Raums Beteiligten ernst genommene Aufgabe sein.

'Taktile Medien' freut sich über jede Anfrage, über jedes neue jedes neue Vorhaben, bei dem wir mithelfen können, Barrieren einzureißen. Wir müssen dazu nur anknüpfen an den vielen erfolgreichen Projekten aus der Vergangenheit.

Bei Stadtplänen, Museumsführern, Naturerlebnisbereichen und anderen Themen war die Blista schließlich schon immer dabei, wenn es galt, sie für Blinde aufzubereiten und zu erschließen.



Fragen Sie uns nach Möglichkeiten und Kosten zu Ihrem geplanten Vorhaben: Sylvia Schwenger, Taktile Medien, Deutsche Blindenstudienanstalt e.V.,
35037 Marburg, Telefon 06421 / 606-246, schwenger@blista.de

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