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Film des LK Geschichte (12) im Rahmen des Video- und Internetwettbewerbs des Landes Hessen gewinnt 2. Preis
Jubel am Freitag, 21.01.2006, in der dritten Stunde. Elf Schülerinnen und Schüler der Carl-Strehl-Schule haben mit ihrem Tutor und Lehrer Uwe Sparenberg den mit 2.000,00 EUR dotierten 2. Preis in einem Wettbewerb gewonnen, der unter dem Titel "Tränen, Trümmer, Tatendrang - Hessen wird 60 Jahre jung" Schülerinnen und Schüler dazu aufgerufen hatte, in ihrer Stadt nach Zeitzeugen und Dokumenten zu suchen, die Aufschluss über das Verhalten und Empfinden der Menschen bei Kriegsende 1945 geben können. Die Preisverleihung durch die Kultusministerin des Landes Hessen wird im Rahmen der Ausstellung "Hessen. Eine starke Geschichte" stattfinden.
Den Anstoß für die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern der Carl-Stehl-Schule an dem seit Frühjahr 2005 ausgeschriebenen Wettbewerb gab ein Hinweis des Leiters des Digitalen Archivs Marburg (digam.net), Dr. Reinhard Neebe, im Rahmen einer Lehrerfortbildung für Lehrer des Fachs Geschichte zum Landesabitur 2007 im Oktober des vergangenen Jahres.
Gab es wirklich keine dokumentier- und erzählbaren Ereignisse im Zusammenhang mit dem Einmarsch der Amerikaner in Marburg und dem Kriegsende? Herr Sparenberg erinnerte sich an frühere Aussagen ehemaliger Lehrer der CSS, dass der Schulbetrieb 1945 ohne Unterbrechung weiter gegangen sei - wohl einmalig im besetzten Deutschland des Jahres 1945. Was war der Grund für diese ungewöhnliche Behandlung einer deutschen Schule? Und welche Rolle spielte dabei Carl Strehl, dessen Namen wir bei dem Kürzel CSS bewusst oder unbewusst mitdenken?
Anfang Oktober machte sich der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 mit dem Wettbewerbsthema vertraut und befand, dass die Geschichte der eigenen Einrichtung durchaus ein attraktives Thema darstelle. Aber skeptisch wandten einige Kursteilnehmer ein, in knapp zwei Monaten sei so etwas nicht zu schaffen, außerdem müsse man sich auf das Landesabitur vorbereiten, zumal das Kursthema "Gesellschaftliche Veränderungsprozesse am Beginn der Moderne" mit dem Wettbewerbsthema nicht in Einklang zu bringen sei.
Die Herbstferien standen vor der Tür, und wir verordneten uns eine Denkpause bis zur 1. Kursstunde nach den Ferien (noch vier Wochen bis zum Abgabetermin ...).
Vom Schulboden hatten wir inzwischen die Liste der Abiturienten vom März 1945 besorgt und stießen auf Herrn Dr. Hans-Eugen Schulze, als erster blinder Bundesrichter kein Unbekannter und bis heute in zahlreichen Gremien aktiv. Der Kurs erstellte eine Liste mit Fragen zum Wettbewerbsthema für ein eventuelles Interview. Nach einem Telefonat und einigen E-Mails hatten wir nur eine Chance: Herr Dr. Schulze sagte uns für den 9. November um 14:00 Uhr zu, müsse aber Marburg um 16:32 Uhr in jedem Falle verlassen.
Wir haben nur zwei Stunden Zeit für das Interview,
wir überwinden unsere Zweifel ("das kann nicht funktionieren"), mailen weitere Fragen an Herrn Schulze und erhalten interessante Aussagen zurück,
wir planen das Interview mit Rollenverteilung unter den Kursteilnehmern, ein Mini-Drehbuch entsteht.
Am 9. November sind alle zur Stelle, wir haben keine Zeit für die Wiederholung von Szenen und für Nachfragen, die sehr interessant gewesen wären:
Uns stören beim Drehen:
aber um 16:05 Uhr haben wir trotzdem 47 Min. Filmmaterial.
Zwei Tage später analysieren wir unsere Aufnahmen und entwickeln Pläne zur Dokumentation durch zusätzliches Bildmaterial und Kürzung auf ca. 15 Minuten. Da kommt die Hiobsbotschaft, mit der wir alle nicht gerechnet hatten: unser Kamera-Mann hat zwar viele Bilder geschossen, kann aber nicht digital schneiden ...
Die Lösung ergibt sich aus der Zusammenarbeit von Heim und Schule. Einige Schüler werden von Tom Pfeiffer betreut, Erzieher in ihrer Wohngruppe, und wissen, dass Tom ein Hobby hat ...
Einen Tag später ist Tom im Boot, wir weihen ihn in unser Projekt ein und haben sieben Tage später einen Rohschnitt.
Herr Dr. Neebe weist uns noch einmal auf die Materialien des Digam zum Einmarsch der Amerikaner 1945 hin, und unser Kursleiter verrät uns die Existenz eines Bereichs der blista, der oft im Verborgenen schlummert, aber wahre Schätze verbirgt. Herr Wendling ist der Hüter des Schatzes, der jetzt zum Vorschein kommt: Ein Film aus dem Jahr 1925 (!) mit dem genialen Titel "Die Welt der Lichtlosen" enthält alte Bilder auch aus der Frühzeit der blista. In den Schachteln des Archivs finden sich Fotos von Carl Strehl, den Dr. H.-E. Schulze im Interview verbal präsentiert.
Dank moderner Technik, die für Blinde und Sehbehinderte an der Laptop-Schule CSS kein Neuland mehr ist, kommen die Bilder- und Filmausschnitte nun an die Oberfläche, werden um Aufnahmen von Abiturzeugnissen und erwähnte Handbücher ergänzt, alte Gebäude der blista tauchen aus der Vergangenheit auf (ein blista-Stadtspaziergang in Marburg sollte entwickelt werden). Inhaltlich nähert sich unser Kurs inzwischen Bismarcks Außen- und Innenpolitik, aber vom Projektfieber gefangen, transponieren wir in Gedanken zwischendurch die Dokumente in den Rohschnitt.
Der Schluss unserer Kursstunden findet uns jetzt immer mehr bei diesen Gedanken, schließlich geht der November dem Ende entgegen. Die Zahl der Stunden beim Schneiden ist noch größer als befürchtet, aber Tom Pfeiffers goldenes Händchen "fügt zusammen, was zusammen gehört" (diesen Bereichen gehörte nebenbei gesagt viel mehr Platz in den Schulen; dafür dürften die thematisch überfrachteten Lehrpläne der Sek II ruhig auf Kernwissen und -fähigkeiten reduziert werden!), so dass wir uns der Schlussdebatte nähern - Musik im Vor- und Abspann:
Hier entwickelt sich ein fesselndes Mit- und Gegeneinander musikalischer Traditionen. Aus der Fülle der vorgestellten Vorschläge (per Laptop mit Musikdateien bei der Diskussion im Unterricht allesamt sofort verfügbar) finden Geschichte, Kursleiter und Schüler den Kompromiss: "In the mood" (Glenn Miller), "Verdammt lang her" (BAP) und aktuelle Filmmusik kennzeichnen Stile, historische Abschnitte und Personen - also uns.
Ach ja, das Thema des Wettbewerbs "Tränen, Trümmer, Tatendrang - Hessen wird 60 Jahre jung" im Internet als Wettbewerbsthema beeindruckte uns sprachlich und inhaltlich, Herr Sparenberg steuerte einen durchaus beeindruckenden fachlichen Titel bei (von dem immerhin "Hier war immer Neuland" übrig blieb), aber genial, wie Schüler nun mal einfach sind, rief jemand "blista reloaded" in den Kursraum: Ende aller Diskussionen, wir waren fertig!
Der Autor, Uwe Sparenberg, ist Studiendirektor und Leiter der beruflichen Schulzweige und LK 12 Geschichte der Carl-Strehl-Schule.
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