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Dr. Johannes-Jürgen Meister : Aus drei mach eins – "derButler" macht’s möglich. Ein Mobilefon für Ältere

"Small is beautyful", so lautet vielfach die Devise von Ingenieuren und Designern moderner Geräte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie. Je winziger, umso besser, denken sich vornehmlich jüngere Menschen und klicken sich auf engstem Raum durch eine schier unendliche Vielfalt von Anwendungsmöglichkeiten ihres Mobilefons.



Für ältere Menschen mit und ohne Behinderungen werden diese Spielzeuge zu beinahe unüberwindbaren Barrieren bei der Kommunikation mit ihrer Umwelt: ein Zahlenblock auf weniger als 6 qcm Fläche, zwischen den einzelnen Tasten kaum ein Abstand, die Ziffer fünf taktil nicht erfassbar, dazu ein schlecht les- und erkennbares Display und eine Fülle teilweise mehrfach belegter Funktionstasten. Das verwirrt nicht nur, sondern schreckt auch ab. Das Fixieren und Drücken einer einzelnen Taste wird im Alter zum Problem, das Lesen von Miniaturschriften auf einem sehr kleinen, schlecht und wenig kontrastreich ausgeleuchteten Display nicht minder. Wie Untersuchungen gezeigt haben, können und wollen ältere Menschen mit den meisten Anwendungen nichts anfangen und nutzen sie auch nicht. Ältere Menschen wünschen sich ein einfach zu bedienendes, übersichtliches Mobilefon, mit dem sie leicht und bequem von überall her telefonieren und ggf. Hilfe anfordern können.



Diese Erkenntnisse machten sich in den letzten zwei Jahren einzelne Service-Center zu nutze und entwickelten Mobiltelefone mit nur drei Tasten. Die Tasten sind großflächig, teilweise unterschiedlich gestaltet und in unterschiedlichen Farben. Die wichtigste Taste stellt die Verbindung zum Service-Center her. Auf die beiden anderen Tasten können je nach den Bedürfnissen des Nutzers je eine Telefonnummer fest eingespeichert werden. Mit einem Druck auf eine dieser Tasten wird die Rufnummer eines nahen Angehörigen, des Hausarztes, eines Wohlfahrts- bzw. Sozialdienstes und dergleichen angewählt. Alle anderen gewünschten Gesprächspartner und Dienstleistungen werden - so zumindest die Aussagen der Werbung - über das Service-Center vermittelt.



In der Regel erfolgt dabei keine direkte Vermittlung, sondern der gewünschte Gesprächspartner wird vom Service-Center angerufen und um Rückruf beim Nutzer gebeten. Die Service-Center nehmen dabei die Dienstleistungen irgendeines Mobilfunkbetreibers in Anspruch. Das kann dauern und der momentane Wunsch der alten Dame, sofort aus einem ihr sehr wichtig erscheinenden Grund die Tochter, den Sohn oder die Enkelin sprechen zu wollen, wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Und wenn sie eine amtliche Dienststelle oder eine Dienstleistung wie ihre Bank, den Friseur, einen Reiseservice u. Ä. anrufen möchte, wer garantiert ihr, dass diese auch tatsächlich zurückrufen? Und wenn, wann rufen diese zurück? Dieser Ungewissheit stehen nicht geringe Kosten gegenüber. Die Mobilfunkgeräte müssen käuflich erworben werden, und zwar für etwa 80 bis 130 Euro. Hinzukommen monatliche Grundgebühren von etwa 25 Euro, sofern keine besonderen Dienstleistungen zusätzlich geordert werden. Schließlich werden für jede Vermittlung die hohen Verbindungsgebühren im Mobilfunknetz fällig. Das kann im Monat schnell recht teuer werden. Und werden andere Dienstleister oder amtliche Dienststellen die Mobilfunkgebühren übernehmen?



Um älteren Menschen, insbesondere allein lebenden, mehr Sicherheit für ein eigenständiges Leben in der eigenen Wohnung zu geben, wird schon seit vielen Jahren von Sozialdienstleistern ein Notruftelefon angeboten. Mit Hilfe eines "elektronischen Fingers" am Handgelenk oder an einer Halskette kann über das Festnetztelefon die entsprechende Notrufzentrale erreicht werden, die je nach Bedarf entweder telefonisch Rat und Auskunft erteilt oder den Notdienst schickt. Die modernen Notrufgeräte haben etwa die Größe eines modernen Handys. In dieses Gerät kann neben dem Notruf ein elektronischer Sturzmelder eingebaut werden, der im Falle eines Sturzes in der eigenen Wohnung und einer eventuell damit verbundenen Bewusstlosigkeit automatisch einen Notruf in der Notrufzentrale auslöst. Diese Dienstleistungen haben natürlich ihren Preis, der je nach Anbieter und Leistung zwischen etwa 15 und 25 Euro liegt. Tests haben allerdings ergeben, dass diese Dienstleistungen nicht immer so zuverlässig funktionieren, wie dies wünschenswert wäre. Dieser Notruf kann mittlerweile auch in ein - wie oben beschrieben - "seniorengerechtes" Mobilefon anstelle einer der beiden fest einspeicherbaren Telefonnummern integriert werden, natürlich gegen entsprechend zusätzliche Gebühren.


Die bisher beschriebenen Lösungen eines seniorenfreundlichen bzw. "seniorengerechten" Mobilefons sind in ihren Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Sie werden damit den tatsächlichen Wünschen und Bedürfnissen älterer Menschen mit und ohne Behinderungen nicht gerecht. Wie alle anderen auch, wollen ältere Menschen von überall her Kontakte knüpfen, kommunizieren können und erreichbar sein, aber zugleich im Falle eines Falles unmittelbar Hilfe anfordern können. Und das soll möglichst einfach, unkompliziert und gut überschaubar funktionieren. Diesen Wünschen und Anforderungen scheint nunmehr ein Gerät gerecht zu werden, das in diesen Monaten endlich auf den Markt kommt. Die Markteinführung hat sich durch immer neue Leistungsanforderungen erheblich verzögert. Das Gerät hat schon vor seiner Markteinführung im Laufe seiner langjährigen Entwicklung mehrere Auszeichnungen für technische Innovationen und Design erhalten.



Die Rede ist vom "Butler" der Fa. Fonium. "derButler" vereint drei Geräte in einem: Festnetzanschluss, Mobilfon und Notruftelefon. Es gleicht einer runden Scheibe, die auf einen Zylinder aufgesetzt ist. Das Gerät ist ca. 120 mm hoch, maximal 86 mm breit und etwa 30 mm tief. Mit rd. 200 gr. Gewicht wird das ursprüngliche Ziel von 120 gr. deutlich überschritten. Mit diesen Maßen ist es wahrlich kein Winzling, aber dafür ein Mobilefon, das es in sich hat. Das Gerät kommt einschließlich Notruftaste mit insgesamt vier Tasten aus. Die Tasten sind in Form und Größe unterschiedlich gestaltet, so dass sie leicht unterschieden werden können. Die Notruftaste und eine allgemeine Bestätigungstaste befinden sich auf der "Vorderseite", die beiden anderen Funktionstasten auf der "Rückseite", am unteren Rand eines Displays, das wenigstens doppelt so groß ist wie in einem normalen Mobilefon. Über dem sind besonders intensive verschiedenfarbige Leuchtdioden eingebaut.



"derButler" ist nämlich nicht nur für ältere Menschen ohne Behinderung konstruiert, sondern berücksichtigt auch die Bedürfnisse von Hörgeschädigten und Sehbehinderten. Dementsprechend ist die Schrift auf dem Display nicht nur groß, sondern auch besonders kontrastreich dargestellt. Auch an die Bedürfnisse blinder Menschen ist gedacht: als erstes Mobilefon ist "derButler" von Haus aus mit einer Sprachausgabe ausgestattet. Diese Ausstattung hat die Markteinführung verzögert. Als weitere Besonderheit kann der automatische Wechsel von einem normalen Hörer zu einer Freisprechanlage durch einfaches Umdrehen des Gerätes bezeichnet werden. Der Nutzer ist nicht mehr nur vom Service-Center abhängig, denn es können bis zu 100 Telefonnummern im Gerät gespeichert werden, die unmittelbar vom Nutzer angewählt werden können.



Hier scheint noch eine Barriere für Blinde zu bestehen. Bei meinem Test auf der Altenpflegemesse in Hannover im Februar des Jahres wurde nur die Speicherplatzposition angesagt, nicht aber die dahinter liegenden Telefonnummer. Die wurde nur auf dem Display angezeigt.



Das Gehäuse ist wasserdicht, d. h. der Nutzer kann das Gerät auch unter der Dusche oder in der Badewanne bei sich tragen. Und noch eine Besonderheit: "derButler" verfügt über ein GPS und kann demzufolge überall geortet werden. Ein Spaziergang in heimischer Umgebung oder am Urlaubsort irgendwo in Europa wird sicherer, denn Hilfe kann im Notfall rasch herbeigefunkt werden. Damit nicht genug: außer der Bestätigungstaste, mit der dem Service-Center signalisiert wird, dass alles in Ordnung ist, verfügt das Gerät über einen Sturzmelder und für die Nacht als Zusatzausstattung über einen Brustring mit einem Zwei-Kanal-EKG, das sofort Unregelmäßigkeiten des Herzschlags an die Zentrale weitermelden. Der 24-Stunden Rund-um-Service veranlasst im Bedarfsfall sofort alles Notwendige noch ehe der Nutzer etwas gemerkt hat.



Zu diesen technischen Ausstattungen kommen die zahlreichen Dienstleistungsangebote in allen Lebensbereichen. So gibt es den Erinnerungsdienst für die rechtzeitige und richtig dosierte Medikamenteneinnahme ebenso wie den Einkauf- und Ticketservice, die Ernährungsberatung oder die Reise- und Freizeitgestaltung u. v. m. Auf der CeBIT 2006 in Hannover wurde "derButler" erstmals der Öffentlichkeit in seinem aktuellen Entwicklungsstand vorgestellt.



Auch während des 8. Deutschen Seniorentages vom 16. bis 18. Mai 2006 in Köln war "derButler" auf der SenNova auf dem Gemeinschaftsstand von DVBS und DBSV zu sehen.



Und die Kosten? Den "Butler" kann man nicht kaufen, sondern nur leasen. In der Grundausstattung sollen die monatlichen Gebühren bei etwa 25 Euro liegen, je nach Hinzunahme weiterer Dienstleistungen steigen natürlich die monatlichen Gebühren. Für eine Vermittlung werden nach derzeitiger Auskunft 0,16 Euro verlangt, aber die sollen noch wesentlich gesenkt werden. Auch kann jeder Nutzer seinen Mobilfunkbetreiber frei wählen. Gesponsert wurde die Entwicklung des "Butler" von der Björn Steiger-Stiftung, die über eine langjährige internationale Erfahrung im Notdienstwesen verfügt.



Wenn "derButler" das im täglichen Einsatz erweist, was seine Papierform und die Erläuterungen der Hersteller sowie ein erster Kurztest versprechen, dann kann "derButler" seinem Namen alle Ehre machen, nämlich stets und überall zu Diensten zu sein.



Weitere Informationen unter: http://www.fonium.de oder www.derbutler.com



oder Telefon 06557 - 920117.

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