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Vom 7. bis zum 13. April trafen sich 16 blinde und sehbehinderte Jugendliche aus ganz Deutschland, um miteinander zu trainieren, was mit neuen Freunden und Bekannten und sehr viel Spaß verbunden war. Ausgerichtet wurde das Judocamp von der "Deutschen Blindenstudienanstalt e. V.", der "Sehgeschädigten Sportgemeinschaft blista Marburg" (SSG) und der Judoabteilung des Sportvereins "Blau Gelb Marburg".
Diese Art von Freizeitaktionen für blinde oder sehbehinderte Kinder und Jugendliche wurde durch Spenden finanziert. In den Osterferien des letzten Jahres fand das Computercamp der blista statt, ein Jahr zuvor ist eine Freizeit organisiert worden. Außer dem Sportprogramm, welches vormittags drei und nachmittags zweieinhalb Stunden stattfand, wurden noch andere Freizeitaktivitäten wie Kino oder Schwimmen im Hallenbad angeboten. Es gab sowohl einen Schnupperkurs für Anfänger als auch einen Förderlehrgang für hoffnungsvolle Nachwuchstalente, die bereits bei einer Schulsportgruppe oder einem Verein wie der SSG Marburg aktiv sind.
Doch weshalb genau ist das "Judocamp 2006" eine neue wichtige Erfahrung für sehbehinderte Jugendliche gewesen?
Viele der Teilnehmenden des Camps werden integrativ beschult, d. h. sie gehen auf Schulen, die normal sehende Jugendliche besuchen. Dort sind sie so etwas wie "Exoten". Das Camp hat ihnen die Möglichkeit gegeben, zu erkennen, dass sie mit ihrer Behinderung nicht allein sind, nicht die einzigen, die spezielle Lern- und Mobilitätsmittel benötigen.
Judo schult das Körpergefühl und den Gleichgewichtssinn jedes Menschen, seien seine Augen gesund oder nicht, aber bei sehgeschädigten Menschen, besonders bei von Geburt an Blinden, ist der Gleichgewichtssinn weniger gut ausgeprägt. Außerdem fehlt vielen eine gute räumliche Orientierung. Diese Fähigkeiten werden primär über visuelle Reize erworben bzw. weiterentwickelt, was sich hier nun als Problem darstellt.
Beim Judosport geht es darum, zu erkennen, wo die Bewegung des Gegners bzw. Partners hinläuft, um entsprechend zu reagieren. Den anderen packen, wegdrücken, selbst zu merken, worauf man fällt (hoffentlich auf eine weiche Matte), dies stärkt das Körper- und Gruppengefühl. Seit den achtziger Jahren wird Judo in der SSG Marburg für Blinde und Sehbehinderte angeboten, manche Judoka haben es sogar bis in die Erste Deutsche Judoliga geschafft, und in der kämpfen Sehende und Blinde bzw. Blinde gegen Sehende.
Die Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren hatten in dieser Woche die Gelegenheit, sich an Ansprechpartner der blista zu wenden, wenn sie Fragen zu ihrer Behinderung und zu verschiedenen Möglichkeiten hatten.
Für die Judotrainer ist es eine Herausforderung, Blinden und Sehbehinderten Bewegungsabläufe zu zeigen, denn einfach einen Bewegungsablauf vorzumachen und nachmachen zu lassen, funktioniert hier nicht. Es kommt darauf an, Bewegungen exakt zu schildern und mehrfach zu helfen. Bevor es mit dem Judo losging, wurden Aufwärmübungen mit Bällen, Tauen und Gymnastikbällen gemacht. Da wurde schon mal gestolpert und aufeinander geprallt, kurz darauf aber wieder laut losgelacht und geneckt.
Es wird möglich sein, in den Osterferien des nächsten Jahres wieder ein Judocamp oder ein anderes Freizeitangebot anzubieten, wenn sich erneut genug Teilnehmende wie auch genug Spender zugunsten der blista in Marburg an der Lahn finden.
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