horus

Startseite > horus & Broschüren > 3/2006

horus & Broschüren

Suche

Suchen Sie in horus aktuell, unserem Newsletter, und horus online, unserer Vereinszeitschrift:

Suchbegriff:

Suchen in:


Manfred Fuchs: Erwiderung auf den Leserbrief von Jörn Ernst

Lieber Jörn Ernst,



danke für den Leserbrief. Der Kritik kann ich mich zum Teil anschließen, und wir konnten ja bereits darüber telefonieren.



Hier nun zu den Detailaussagen:



In Marburg besteht seit über 15 Jahren keine Möglichkeit mehr, Bücher in der früheren (sehr schönen) Fadenheftung zu binden. Bei meinem Eintritt in die Braille-Druckerei war die dafür notwendige Ausstattung nicht mehr vorhanden. Die bis dahin erprobten Klebebindungen waren unbrauchbar.



Seither wurde immer wieder an den Bindemöglichkeiten gearbeitet und weiterentwickelt. Wie unsere Leserinnen und Leser sicher wis­sen, wurde die Papierqualität verbessert. Auch das von uns verwendete Endlospapier für die computergesteuerten Blindenschriftdrucker entspricht Buchdruckqualität. Vor einiger Zeit haben wir, mit über einem Jahr Entwicklungszeit, mit unserem Ordnerlieferanten spezielle Ringordner entwickelt, die von der Handhabung geändert wurden. Sie stehen nun gegenüber den früheren Ordnern auch besser im Regal.



Auf Wunsch unserer Leserinnen und Leser teilen wir seit Januar 2005 alle neuen Bücher in handlichere Teilbände von bis zu ca. 80 Blatt auf. Diese Spezialordner haben dann eine Rundmechanik mit 40 mm Füllhöhe. Diese Mechanik ist nicht so störend beim Lesen.



Eine vernünftige akzeptierbare Bibliotheksbindung ist dies aber nicht, wobei viele Nutzer rückmelden, dass sie es gut finden, sich einzelne Blätter zum Lesen aus den Ringord­nern herauszuheften und diese nachher wieder einzuheften. Auch ergibt sich aus der Verwendung von Ringordnern für die Bibliotheken der große Vorteil einzelne Buchseiten bei Beschädigungen und/oder Verunreinigungen auszutauschen, ggf. kann der gesamte Innenteil kostengünstig nachgedruckt werden.



Seit einigen Jahren suche ich in Verbindung mit anderen Häusern nach einer praktikab­len Bindung für Bibliotheken. Die Geschichte dieser Suche findet sich in den Protokollen der diversen Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft der Blindenschrift-Druckereien und -Bibliotheken und MEDIBRAILLE. Seit Ende letzten Jahres zeigen sich zwei - vielleicht - realisierbare Versi­onen. Das Problem der Einzelfertigung bleibt allerdings bestehen.



Die von uns vereinzelt verwendete so genannte Laschenbindung ist bei Einzelfertigun­gen zu teuer, müssen doch bis jetzt jeweils Druckplatten erstellt und diese dann auch gelagert werden.



Druckmaschinenhersteller wurden von mir immer wieder auf diese Problematik hinge­wiesen. Die Firma Braillo in Norwegen hat nun eine neue Maschine auf den Markt ge­bracht, die Papier in anderem Format und in anderer Laufrichtung bedruckt. Dies wird vielleicht eine andere Bindung ermöglichen. Klebe­bindung war bis jetzt nicht möglich, da die Papierfaserrichtung falsch ist und sich somit das Papier bei der Nutzung wellt.



Die zweie Variante ist die handwerkliche Herstellung von Büchern, wobei zwischen die einzelnen Blätter jeweils Abstandsfälze eingefügt, verklebt und dann spezielle Decken hergestellt werden müssen. Die ersten 15 Exemplare werden nun in dieser Art für die Carl-Strehl-Schule, für den schulischen Einsatz, hergestellt. Hier wird sich dann im Dau­ertest zeigen, ob es eine vernünftige Alternative als Bibliotheksbindung sein kann. Die Kosten für die Bindung sind allerdings hoch.



Zur Frage nach Punktschriftbeschilderungen der Buchrücken kann ich sagen, dass in der Braille-Druckerei alle Bücher mit Punktschriftschildern auf dem Rücken ver­sehen werden. Problematisch wurde dies jedoch bei längeren Titeln. Die Emil-Krückmann-Bücherei benötigt im unteren Bereich des Rückens ca. 4 cm Raum, um die Bibliothekssignatur aufkleben zu können. Ab sofort werden aber alle Bücher, die einen Rücken haben, mit Blindenschrift-Rückenschildern versehen, ggf. muss der Titel auf den zur Verfügung stehenden Raum begrenzt abgekürzt werden.



Nochmals herzlichen Dank für den Leserbrief. Gleichzeitig danke ich Dir für Deine bereits telefonisch geäußerte Bereitschaft, weiter mit mir an der Weiterentwicklung zu arbeiten. Es gilt einen Weg zwischen den anfallenden Kosten und dem Nutzen zu finden.



Beste Grüße aus Marburg



Manfred Fuchs


Marburg, 27. April 2006

Zurück zum Inhalt von 3/2006 |horus im Überblick

[Startseite]  Startseite  | [Kontakt]  Kontakt  | [Impressum]  Impressum | [Hilfe]  Hilfe