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Immer wieder spannend empfinden die Mitglieder aus Berlin und Brandenburg ihre alljährlichen Sommerausflüge. Spannend deswegen, weil sie stets sowohl den tastenden Händen als auch den Augen Unbekanntes erschließen oder uns Bekanntes neu erfahren lassen.
In diesem Jahr ging es zur Alten Burg derer von Maltzan in Penzlin, die nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten mit ihrem slawischen Wall, dem Burghof mit Kräutergarten sowie Resten der alten Stadtmauer wieder eine in sich geschlossene Anlage bildet. Ihre Attraktion stellt sowohl touristisch als auch wissenschaftlich das Museum für Magie und Hexenverfolgung in Mecklenburg dar. Mecklenburg gehörte im Gegensatz zu den meisten anderen norddeutschen und protestantischen Territorien zu den Kernzonen der europäischen Hexenverfolgung.
Fast 4.000 Hexenprozesse gegen etwa 3.650 Frauen, Männer und Kinder lassen sich bis heute nachweisen.
Die eigentlichen Hexenverliese im Ostflügel der Burg liegen mit ihrem Fußboden etwa 7 m tief unter der Burghoffläche. Wir konnten sie nur mit größter Vorsicht, oft tief gebückt, über keineswegs barrierefreie Stufen erreichen.
Nach diesem Besuch mit hervorragend auf uns eingestellter Führung und drastischer Demonstration der mittelalterlichen Folterwerkzeuge konnten wir uns Gedanken machen über den Unterschied zwischen der damaligen Hexenverfolgung und der modernen Verfolgung böser Mächte und Schurken und die Begründung der jeweils angewandten Mittel.
Noch in den Gedanken an die Grausamkeiten von uns Menschen besuchten wir anschließend die Mahn- und Gedenkstätte des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück, heute ein Ortsteil Fürstenbergs/Havel.
Auch hier erlebten wir eine für uns vorbildlich informative Führung, die durch Modelle der Gebäude und einer taktilen Geländegrafik einen besonders anschaulichen Eindruck hinterließ.
Zu diesen Modellen gibt es eine interessante Geschichte: Ursprünglich von einem unserer Mitglieder mit Blick auf die mangelnde Barrierefreiheit der Gedenkstätte angeregt, griffen Schülerinnen und Schüler zweier örtlicher Schulen mit ihren Lehrerinnen im Rahmen des Kunstunterrichts die Idee des Modellbaus auf. Hier gesellte sich nun zu der guten Absicht ein Moment lebensnaher Unterrichtspraxis. Genau die wurde denn auch durch die Verleihung des Adolf-Reichwein-Preises (des höchsten pädagogischen Preises des Landes Brandenburg) gewürdigt. Der Leiter der pädagogischen Dienste der Gedenkstätte, Dr. Heyl, betonte, dass durch die Darstellung in Modellen und taktilen Grafiken auch für sehende Besucher ein deutlicher Informationsgewinn festzustellen sei.
Das Wetter passte sich an diesem Tag den wenig erfreulichen historischen Erinnerungen an. Umso erfreuter nahmen wir die Sonnenstrahlen am folgenden Sonntag auf, an dem wir eine Reise ins ferne ostsibirische Kamtschatka unternahmen.
Dr. Erich Kasten, der sich in jahrelangen Feldstudien der Erforschung der Ethnien Kamtschatkas zugewandt hat, wohnt in einem Ortsteil Fürstenbergs und bewahrt für sich und Museumsausstellungen dort etliche ethnologische Schätze: Ein wendiges Boot aus Seehundfellen, einen Rentierschlitten, reich mit Farben und Ornamenten geschmückte Kleidungsstücke aus Rentier-, Bären- und Seehundsfellen für Temperaturen, die nicht selten die minus 40 Grad Celsius unterschreiten, Handwerkszeug und Schnitzarbeiten aus Rentierhorn, die so mancher von uns gerne für sich behalten hätte. Lebhaft schilderte uns Dr. Kasten das Verhältnis dieser abgelegenen Volksgruppen in dem Spannungsfeld zwischen Bewahrung ihrer Traditionen und der Annahme moderner Technik und ökonomischer Veränderungen. Viele von uns haben sicher das erste Mal von Korjaken, Itelmenen und Evenen gehört. Aber Neues zu erfahren, macht ja eben die Spannung unserer Sommerausflüge aus.
Zu danken haben wir Klaus Behling und seiner Frau Brigitte, auf denen die ganze Vorbereitungsarbeit lastete.
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