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Melanie Pelka: Meine Ausbildung beim Landeswohlfahrtsverband Hessen

I Einleitung

Nach dem ich vor ungefähr zwei Jahren im "Horus" über meine Erfahrungen mit Bewerbungsverfahren im öffentlichen Dienst berichtet hatte, wurde ich von mehreren Lesern des "Horus" gebeten, meine Erfahrungen in der Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls darzulegen. Deshalb möchte ich im Folgenden einen kurzen Erfahrungsbericht geben.


II Allgemeines über den Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV)

Der Landeswohlfahrtsverband Hessen (LWV) ist als Kommunalverband der Landkreise und kreisfreien Städte der überörtliche Träger der Sozialhilfe im gesamten Bundesland Hessen.


Die Hauptverwaltung befindet sich in Kassel. Regionalverwaltungen befinden sich in Darmstadt und Wiesbaden.


III Allgemeines über die Ausbildung

Die Ausbildung im gehobenen Verwaltungsdienst dauert drei Jahre. Sie ist eine Kombination aus fachtheoretischen Studienabschnitten und Berufspraktika.


Das Studium an der Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden (mit den Standorten Kassel, Darmstadt und Wiesbaden) vermittelt den Studierenden durch anwendungsbezogene Lehre die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Methoden, die zur Erfüllung der Aufgaben in ihrer Beamtenlaufbahn erforderlich sind. Das fachtheoretische Studium soll



Die Pflichtfächer sind Verwaltungsrecht, öffentliches Dienstrecht, Kommunalrecht, Privatrecht, Staat- und Verfassungsrecht, öffentliche Finanzwirtschaft, Soziologie und Psychologie, Soziale Sicherung, Volkswirtschaftslehre, Betriebswirtschaftslehre und Arbeitsmethodik. Die Pflichtfächer werden durch Seminare, Wahlpflichtveranstaltungen, freiwillige Veranstaltungen und eventuell Projektarbeit ergänzt.


Die Berufspraktika finden in der jeweiligen Ausbildungsbehörde statt. Der Auszubildende durchläuft verschiedene Abteilungen seiner Ausbildungsbehörde. Die Auszubildenden haben einen Beschäftigungsnachweis über jeden Ausbildungsabschnitt anzufertigen, in dem sie die während dieses Praktikumsabschnitts erworbenen Kenntnisse darstellen und einen Überblick über ihre Tätigkeiten geben. Dieser Bericht wird der Ausbildungsleitung der jeweiligen Behörde vorgelegt. Jede Abteilung legt der Ausbildungsleitung einen Befähigungsbericht über den Auszubildenden vor, in dem der Ausbilder Stellung zu den Leistungen des Auszubildenden nimmt.


Am Ende des Grundstudiums 3, etwa nach der Hälfte der Ausbildungszeit, findet die Zwischenprüfung statt, die aus vier vierstündigen Prüfungen in den Fächern Verwaltungsrecht, Kommunalrecht, öffentliches Dienstrecht und Betriebswirtschaftslehre oder öffentliche Finanzwirtschaft besteht.


Am Ende der Ausbildung steht die Laufbahnprüfung, die aus fünf schriftlichen Prüfungen und einer mündlichen Prüfung besteht. Außerdem ist eine Diplomarbeit über ein Thema in Zusammenhang mit der öffentlichen Verwaltung anzufertigen.


Die Endnote der Ausbildung setzt sich zusammen aus den Klausurergebnissen der in den drei Jahren geschriebenen Klausuren, den Klausurergebnissen der Zwischenprüfungsklausuren, den Klausurergebnissen der Laufbahnprüfungsklausuren, dem Ergebnis der mündlichen Laufbahnprüfung, den Noten der in den drei Jahren besuchten Fächern und der Note der Diplomarbeit.


IV Meine Erfahrungen in der Ausbildung

Als ich mich im Jahr 2003 entschloss, eine Ausbildung im öffentlichen Dienst zu machen, hatte dies hauptsächlich finanzielle Gründe. Da mein Mann keine Arbeit hatte und voraussichtlich auch keine Arbeit mehr finden würde, erschien es mir notwendig, eine Stelle zu finden, mit der ich unsere Lebensgrundlage würde sichern können. Außerdem hörte ich verschiedentlich, dass blinde Menschen im öffentlichen Dienst gute Chancen haben.


Der Landeswohlfahrtsverband war eine von drei Behörden, bei denen ich mich im Herbst 2003 vorstellte. Ende des Jahres 2003 erhielt ich einen Einstellungsbescheid.


Im Frühling und Sommer 2004 fanden verschiedene Gespräche beim Landeswohlfahrtsverband statt, an denen die Ausbildungsleiterin, ihre Stellvertreterin, die Personalratsvorsitzende, die Frauenbeauftragte, jemand vom Integrationsamt, der Schwerbehindertenbeauftragte und ich teilnahmen. Es wurde erörtert, welche Hilfestellung ich bei der Ausbildung benötigen würde. Dies war natürlich sehr schwierig für mich zu beurteilen, da ich nicht wusste, was in der Ausbildung auf mich wartete und die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen nicht wussten, welche Hilfsmittel ein blinder Mensch in der Verwaltungstätigkeit benötigt. Deshalb war es sehr hilfreich, dass ein ebenfalls blinder Kollege, der in der Regionalverwaltung Darmstadt als Sachbearbeiter arbeitet, an zwei dieser Gespräche teilnehmen konnte, um von seinen Erfahrungen zu berichten. Wir wurden uns in diesen Gesprächen auch einig darüber, dass neben der PC-Ausstattung auch eine Arbeitsplatzassistenz notwendig sein würde. Die Stelle wurde extern ausgeschrieben. An der Auswahl der Bewerber wurde ich beteiligt, da wir alle es für wichtig hielten, dass die Bewerber und ich uns persönlich kennen lernten und uns gleich einen Eindruck voneinander verschaffen konnten. Auf diese Weise fand ich meine Arbeitsplatzassistenz.


An der Verwaltungsfachhochschule bin ich in einer Studiengruppe mit 17 anderen jungen Leuten. Wir kommen sehr gut miteinander zurecht. Wir begegnen uns mit gegenseitiger Offenheit, gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Achtung. Das macht den Umgang für beide Seiten sehr angenehm. Die Arbeit ist für mich sehr gut zu bewältigen. Unterrichtsaufzeichnungen mache ich auf meinem Notebook. Meine Arbeitsplatzassistenz, die während der gesamten Schulzeit mit am Unterricht teil nimmt, liest mir Tafelbilder, zu lösende Rechtsfälle und Gesetze vor.


Auch in den Berufspraktika in der Behörde komme ich sehr gut zurecht. Die Kolleginnen und Kollegen begegnen mir mit Offenheit, Respekt und Achtung und sind auch bereit, sich mit der blinden Kollegin auseinander zu setzen. So fühle ich mich schon jetzt sehr in ihre Mitte aufgenommen. Ich arbeite in der Behörde mit einem blindengerecht ausgestatteten Computer. Auch hier steht mir meine Arbeitsplatzassistenz zur Verfügung, um mir Akten, in denen leider Vieles handschriftlich vermerkt ist, Gesetzestexte und alle sonstigen Schriftstücke, die nicht einscannbar sind, vorzulesen. Obwohl sich die Arbeit mit dem Computer immer mehr durchsetzt, ist noch vieles Handschriftliche zu erledigen und zu bearbeiten.


Natürlich stoße ich während der Ausbildung auch immer wieder auf Schwierigkeiten, die im Wesentlichen damit zusammen hängen, dass die vom LWV genutzten Computerprogramme nicht ganz barrierefrei sind. Das Einzige, was bei der Bewältigung solcher Probleme hilft, ist, das immer und immer wieder anzumerken, Verbesserungsvorschläge zu machen und niemals locker zu lassen, so zermürbend es manchmal auch sein mag. Der LWV hat eine EDV-Abteilung, die hart daran arbeitet, die Programme immer barrierefreier zu machen.


Ich bin sehr froh darüber, dass ich die Ausbildung beim Landeswohlfahrtsverband machen kann. Eine Ausbildung in der öffentlichen Verwaltung bietet ein gutes Einkommen und berufliche Sicherheit, wenngleich diese nicht mehr so hoch ist wie früher.


Manchmal bin ich mir jedoch auch nicht ganz sicher, ob die Arbeit in der Verwaltung wirklich das Richtige für mich ist und ich mich damit wirklich wohl fühle. Aber ich werde diese Ausbildung selbstverständlich fortsetzen und mit einem hoffentlich guten Ergebnis abschließen können.


Ob ich immer in der öffentlichen Verwaltung tätig sein werde, weiß ich nicht. Ich habe auch bereits andere Ideen, für die ich jedoch diese Ausbildung auch sehr gut gebrauchen kann.


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