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Günter Stiebeling: "Wir weisen Wege - WWW.DVBS.com" - Arbeitsausschuss tagte am 18. November 2006 in Marburg

"Wer oder was ist der DVBS und was sind seine Ziele?" Diese Frage stand im Mittelpunkt der Arbeitsausschusssitzung, zu der sich zwanzig stimmberechtigte Mitglieder (neun Fach-, zehn Bezirksgruppenvertreter und der Geschäftsführer des DBSV) sowie der DVBS-Vorstand, die Geschäftsleitung und der Vertreter der AG Sehbehinderte versammelten.


Der Vorsitzende unseres Vereins, Herr Uwe Boysen und sein Vertreter, Herr Karsten Warnke, gaben einen zukunftsweisenden, fesselnden und interessanten Bericht zu einem Treffen, das sich drei Wochen zuvor vom 27. - 29.10.2006 in Hamburg ganz konkret mit den eingangs gestellten Fragen unter fachkundiger Leitung auseinandergesetzt hatte und den Arbeitstitel "Zukunftswerkstatt" trug. Teilgenommen hatten Vorstand, Geschäftsleitung, der Leiter des Arbeitsausschusses und die Leiterin der Fachgruppe Ausbildung.


Unter Rückblick auf die Arbeitstagung "Sozialstaat unter der Augenbinde" vom 14. - 15.9.2006 und der in ihrem Rahmen verabschiedeten "Marburger Erklärung" lieferten Uwe Boysen und Karsten Warnke einen Ausblick auf die künftige DVBS-Arbeit. Die "Marburger Erklärung", so die Berichterstatter, solle die Basis für das sozialpolitische Engagement des DVBS für die nächsten Jahre schaffen und damit nach außen und nach innen wirken. Es gelte, ein Gleichgewicht zwischen den Kernaufgaben und weiteren durchaus wünschenswerten Aktivitäten unseres Vereins zu finden.


Im Rahmen der "Zukunftswerkstatt" in Hamburg sei als griffiges, schlagkräftiges und eingängiges Motto für den DVBS vorgeschlagen worden: "WWW.DVBS.kom - Wir weisen Wege - solidarisch, professionell - vorbildhaft!".


Als Antwort auf die Frage, was der DVBS eigentlich sei, habe die "Zukunftswerkstatt" den Kernsatz zusammengefasst: "Der DVBS ist die Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung blinder und sehbehinderter Menschen, die Bildung, berufliche und soziale Teilhabe sichert und erschließt".


Das Wochenendseminar in Hamburg habe, so Uwe Boysen und Karsten Warnke, vielleicht keine ganz neuen Ziele und Aufgaben für den DVBS hervorgebracht, es habe aber wesentlich zu einer Präzisierung und Gewichtung dieser sowie zur Erarbeitung von Kernkompetenzen und zu einer Positionierung beigetragen. Wichtig seien die Ziele, für die man eintreten wolle und nach diesen  - und zwar ausschließlich nach diesen - richteten sich die anzugehenden Aufgaben und Projekte.


Der Vertreter des DBSV, Herr Bethke, lobte die begonnene Positionierung des DVBS als vorbildlich und ermutigte die Verantwortlichen, diesen Weg weiter zu gehen.


Nach diesen grundsätzlichen und zukunftsweisenden Überlegungen ging es um zwei praktische Themen und Beschlüsse. Zum Einen wurde einstimmig die Gründung einer Fachgruppe "Selbstständige" im DVBS beschlossen und zum Anderen wurde dem Antrag des Vorstands, die seit 1998 geltenden Seminargebühren im DVBS um 20 % zu erhöhen, mit großer Mehrheit stattgegeben.


Die unumgängliche Erhöhung der Seminargebühren wurde durch den Vorstand und die Geschäftsleitung vor allem damit begründet, dass durch die derzeit geltenden verhältnismäßig niedrigen Seminargebühren die Zuschussmöglichkeiten durch die Integrationsämter nicht voll ausgeschöpft werden könnten und dass die Seminargebühren nicht kostendeckend seien, zum einen deshalb, weil seit 1998 im Gegensatz zu den Seminargebühren die Kosten für die Durchführung von Seminaren gestiegen seien und zum anderen, weil bisher die so genannten Gemeinkosten, die insbesondere in der Geschäftsstelle bei der Organisation und der Durchführung von Seminaren anfallen, bisher nicht mit kalkuliert worden seien.


Wie in jedem Jahr gaben Vorstand und Geschäftsführung ihren Geschäftsbericht ab, berichteten über die Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf und legten den geprüften Jahresabschluss für das Jahr 2005 vor. Diese sehr detaillierten, informativen und aufschlussreichen Berichte können hier nur auszugsweise und schlaglichtartig wiedergegeben werden.


So ging unser Vereinsvorsitzender auf die zahlreichen Jubiläen, die im Jahre 2006 stattgefunden haben, ein: 200 Jahre Blindenbildung, 150 Jahre Nikolauspflege und schließlich 90 Jahre blista und DVBS.


Die Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag des Vereins bewertete Herr Boysen als einen vollen Erfolg. Veranstaltungen wie diese würden Euphorie wecken, dem Verein Rückenwind geben und die Mitglieder des Vereins noch enger zusammen bringen stellte er fest. "Wir brauchen Events der Art, um unsere Kreativität und unser Potential zu zeigen", resümierte der Vereinsvorsitzende.


Die auf der Mitgliederversammlung vom 16.09.2006 beschlossenen Satzungsänderungen (Möglichkeit der Elternmitgliedschaft und Aufnahme eines Vertreters des DBSV mit Sitz und Stimme in den Arbeitsausschuss) wurden vom Vorstand als Schritt in die richtige Richtung begrüßt.


Zu den Bereichen Bildung und Beruf berichtete der Vorstand über die aktuellen - für unseren Personenkreis häufig sehr problematischen - Entwicklungen und die Bemühungen des DVBS, hier insbesondere durch die verschiedensten Aktivitäten im politischen Raum entgegen zu steuern bzw. bereits bestehende Benachteiligungen wieder abzubauen. Beispielhaft sei hier die Zunahme der Bachelor und Master­studiengänge (ca. 3.000), die drohende Zerschlagung der ZAV und das geringe Know-how der nunmehr aufgrund von Hartz IV für die Vermittlung unseres Personenkreises zuständigen regionalen Vermittlungsstellen genannt.


Als Beispiele für die politischen Aktivitäten wurden die Kontakte mit einflussreichen Politikern, wie z. B. das Interview mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, ein Treffen mit den Staatssekretären im Bundesarbeitsministerium, das Gespräch vom vergangenen Tag mit der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen Frau Evers-Meyer und dem Marburger SPD-Abgeordneten Herrn Bartol sowie das am 1. Dezember mit dem Bundespräsidenten Herrn Horst Köhler stattfindende Gespräch angeführt.


Im Bereich der Rechts- und Sozialpolitik verwies der Vorstand u. a. auf die erfolgreiche Wiedereinführung des Blindengeldes in Niedersachsen, das nun doch noch zu Stande gekommene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und auf die Klarstellungen bezüglich des "Merkzeichens B". Zur Wiedereinführung des Blindengeldes in Thüringen bedarf es nach der Auffassung von Herrn Boysen noch erheblicher Anstrengungen und ein Bundesleistungsgesetz liegt nach seiner Meinung noch in weiter Ferne.


Aus der Geschäftsstelle gab es Erfreuliches zu berichten: Die Rechtsberatung hat nicht zuletzt aufgrund der erheblichen sozialrechtlichen Veränderungen und Verunsicherungen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Es konnte eine geförderte Stelle für eine Rechtsanwaltsfachangestellte eingerichtet werden, wodurch die Rechtsberatung effizienter gestaltet und in der Geschäftsstelle des DVBS für eine gewisse Entlastung gesorgt werden konnte. Die Nachfrage im Bereich der Privataufsprachen beim Textservice ist spürbar gestiegen. Auch im nächsten Jahr können voraussichtlich für die Kundenpreise im Textservice dank der weiteren Subventionierung der Sprecherhonorare durch die "Aktion Mensch" konstant gehalten werden. Die Geschäftsstelle konnte räumlich erweitert und die Infrastruktur verbessert werden.


Schließlich teilte der Vereinsvorsitzende mit, dass seit kurzem Herr Stiebeling als Referent für Verbandsentwicklung beim DVBS hauptamtlich tätig sei. Es sei gelungen, eine auch finanziell sehr günstige Kooperation mit der Deutsche Post AG, bei der Herr Stiebeling beschäftigt sei, auszuhandeln. Die Hauptaufgaben des Referenten seien die Unterstützung des Vorstands bei der Durchführung von Projekten, die Entlastung der Geschäftsleitung bei der Erledigung administrativer und konzeptioneller Aufgaben sowie die Optimierung der Zusammenarbeit der Vereinsgremien. Der Vorstand habe sich hierzu entschlossen, da sowohl der Vorstand als auch die Geschäftsleitung aufgrund der stetig steigenden inhaltlichen und zeitlichen Arbeitsbelastung Unterstützung benötigten.


Als sehr erfreulich bezeichnete Herr Boysen die Tatsache, dass unser Verein selbst in Zeiten, in denen sich Menschen nicht mehr längerfristig an Vereine binden wollen, weiter wächst. Die genaue Zahl der Mitglieder könne zwar erst am Jahresende festgestellt werden. Es sei derzeit aber von ca. 1.400 Mitgliedern auszugehen.


Auch bezüglich der Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf gab es Positives zu berichten: Die Stiftung verfügt nunmehr bereits über ein Stiftungskapital von gut einer Million Euro. Der Ehrenvorsitzende des DVBS, Herr Dr. Hauck, resümierte, dass sich die Stiftung auch nach Expertenmeinung in dem für eine Stiftung erst kurzen Zeitraum sehr gut entwickelt habe und dass sie auf einem guten Weg sei. Die Erträge der Stiftung flössen dem DVBS als sichere Einnahme zu und würden diesen somit dauerhaft und nachhaltig unterstützen.


Zum Jahresabschluss 2005 verwies Herr Dr. Hauck, Mitglied des Haushaltsausschusses, darauf hin, dass der DVBS auch finanziell auf einem guten Weg sei. So könnten nunmehr seit 2004 ausgeglichene Haushalte gefahren werden. Im Jahre 2005 sei ein Bilanzgewinn von 110.000 EUR zu verzeichnen. Wenngleich diesem im Saldo die Auflösung von Rückstellungen und Entnahmen aus Rücklagen in Höhe von insgesamt 85.000 EUR gegenüberstünden, sei das dennoch ein sehr gutes Ergebnis. Das Eigenkapital habe um 110.000 EUR erhöht werden können, auch das sei eine sehr gute Entwicklung. Der DVBS sei nun so gut aufgestellt, dass er auch einmal etwas bitterere Jahre überbrücken könne, was aber hoffentlich nicht eintreten möge.


Natürlich wurde auch der Haushaltsplan für das Jahr 2007 ausführlich beraten und beschlossen.


Ebenfalls wie in jedem Jahr berichtete Herr Hertlein aus der Deutschen Blindenstudienanstalt. Er stellte fest, dass sich die blista in einem sehr positiven Fahrwasser befinde. Sie habe das Jahr 2005 wirtschaftlich mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Er erwarte selbiges für 2006 und auch für 2007 sei eine Haushaltsdeckung geplant. Die blista sei dauerhaft liquide und die Schulden seien nahezu abgebaut. Die Häuser seien in sehr gutem Zustand, so dass die blista auch über gute stille Reserven verfüge.


Außerdem verwies Herr Hertlein darauf, dass neben der sehr engen Verbundenheit mit dem DVBS die blista als korporatives Mitglied im DBSV mit Sitz und Stimme vertreten sei sowie durch ihren Pressesprecher, Herrn Ullrich, ein Präsidiumsmitglied dieses Verbandes stelle.


Schließlich erwähnte Herr Hertlein die Lothar und Ilse Seeber-Stiftung. Die Eheleute Seeber hätten bereits eine Anstiftung in Höhe von 100.000 Euro vorgenommen. Nach ihrem Tod flösse ihr gesamtes Vermögen in diese Stiftung, deren Erträge ausschließlich der blista zu gute kämen.


Für den Bereich der Carl-Strehl-Schule stellte Herr Hertlein fest, dass es dort z. Zt. cirka 280 Schüler gäbe, dass im nächsten Jahr zum ersten Mal das Zentralabitur stattfände, dass es weiter bei G 9 (9 Jahre bis zum Abitur) für eine Testphase von drei Jahren bleibe, dass die Schulleiterstelle ausgeschrieben sei, dass eine 16-jährige Schülerin den Lesewettbewerb des DBSV gewonnen hätte, dass ein Gemeinschaftskundekurs bei einem Geschichtswettbewerb, an dem alle hessischen Schulen teilgenommen hätten, den zweiten Platz errungen hätte und dass es auch verschiedene Projekte, die von der EU gefördert worden seien, gegeben habe.


Zu den anderen Abteilungen der blista skizzierte Herr Hertlein das Folgende: Im Bereich RES stehe man kurz vor der staatlichen Anerkennung des Ausbildungsganges zum Reha-Lehrer. Im Internatsbereich habe man probeweise zwei Gruppen sowohl alters- als auch geschlechtsgemischt eingerichtet (Simulation einer Familie). Im Bibliotheksbereich sei die Deutsche Blindenhörbücherei durch eine Erbschaft finanziell saniert und technisch auf dem neuesten Stand. Es werde nur noch digital aufgenommen, Mitte 2007 sollen nur noch Daisy-CDs abgegeben werden. Im Bereich MEDIBUS werde die Geschäftsführung auf Herrn Duncker übergehen, Herr Kraußmann sei in den Vorstand gewählt worden.


Herr Sommer dankte Herrn Hertlein für seine Ausführungen und erinnerte daran, dass Herr Hertlein aufgrund seiner bevorstehenden Zurruhesetzung dem Arbeitsausschuss in diesem Jahr zum letzten Mal berichtet habe. Er sprach Herrn Hertlein seinen herzlichen Dank auch im Namen des DVBS für die jahrelange gute und stets konstruktive Zusammenarbeit aus und wünschte ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute.


Schließlich fand - wie alle zwei Jahre - die Wahl des Leitungsteams des Arbeitsausschusses statt. Herr Stiebeling teilte mit, dass er für eine Kandidatur für das Leitungsteam künftig nicht zur Verfügung stehe, da er nunmehr hauptamtlich als Referent für Verbandsentwicklung für den DVBS tätig sei und sich nach seiner Auffassung das Ehren- und das Hauptamt ausschlössen.


Zum Leiter des Arbeitsausschusses wurde erneut Herr Klaus Sommer und als Mitglieder im Leitungsteam wurden Frau Ria Becker (als neues Mitglied) und Herr Uwe Bruchmüller (als bisheriges Mitglied) gewählt.


Abschließend dankte der Vorsitzende allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für die engagierte Arbeit. "Wir bewegen uns vorwärts! Wir haben kreatives Potential! Und das wollen wir ausbauen und wir alle zusammen schaffen das auch!", rief Herr Boysen den Teilnehmern zu.


Die Arbeitsausschusssitzung wird im nächsten Jahr wieder mit einem Seminar für ehrenamtlich Tätige verbunden sein und findet von Freitag, den 23. bis Sonntag, den 25. November 2007 im Aurazentrum Bad Meinberg statt.


Anmerkungen:


Zur Tagung "Sozialstaat unter der Augenbinde" siehe horus 6/2006, S. 251ff., Punktschrift S. 750 ff.


"Marburger Erklärung", horus 6/2006, S. 250, Punktschrift S. 746 ff.

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