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Ort: Michaeliskloster in Hildesheim
Wie in jedem Jahr trafen sich auch 2006 die Mitglieder des Notennetzwerkes im DVBS zur Jahrestagung, um wichtige Fragen und Aspekte rund um Notenschrift für blinde Musiker zu erörtern. Im Gegensatz zur letzten Tagung, bei der es vordergründig um die Nutzbarkeit anderer Notenschriften ging, stand wieder ausschließlich die Verbreitung und Förderung der Braillenotenschrift auf dem Programm. Nachdem alle Teilnehmer versammelt waren, eröffnete Erika Reischle-Schedler die Tagung mit der folgenden Tagungsordnung.
Freitag, 27.01.2006
Wie aus dem Protokoll der letzten Netzwerktagung hervorgeht, gab es eine lebhafte Diskussion um die Nutzbarkeit der Wachstintennotenschrift. Man beschloss schließlich, gemeinsam mit Professor Brusniak aus Würzburg eine Presseerklärung zu veröffentlichen, die die eingangs verbreiteten Fehleinschätzungen der Wachstintenschrift richtigstellen soll. Dieser Artikel steht noch aus.
Grundlage der folgenden Diskussion war das international Symposium on Braille Music Notes, das im November 2005 stattfand. Hier kamen Produzenten, Lehrer und Nutzer zusammen, um über die Produktions- und Verbreitungsmöglichkeiten der Notenschrift zu beraten.
Die Berichte von Ulrich Mayer-Uhma zeigten, dass besonders das Einscannen und Umsetzen von Schwarzschriftnoten in Braille sehr zukunftsweisend ist. Man war sich einig, dass eine umfangreichere internationale Zusammenarbeit wünschenswert ist, um die technischen Errungenschaften der einzelnen Institute effektiver nutzen zu können.
Der Schwerpunkt des DaCapo-Projektes der DZB ist die softwaregestützte Notenproduktion. Mit Hilfe herkömmlicher Musiksoftware werden hier Noten eingescannt, die dann in einem weiteren Arbeitsschritt in Braillenoten umgesetzt und entsprechend formatiert werden. Zur Verdeutlichung der Fähigkeiten des von Matthias Leopold entwickelten Programms hatte der Autor Notenbeispiele mitgebracht, die ausschließlich durch die Software, also ohne Nachbearbeitung, erstellt worden waren. Diese wurden von allen Teilnehmern probegelesen und auf Layout- und Übertragungsfehler überprüft. Die Übertragungsqualität erwies sich als erstaunlich gut. Bezüglich des Layouts wurde hingegen eine ökonomischere und platzsparendere Formatierung sowie eine höhere, den verschiedenen Nutzerbedingungen entsprechende Flexibilität gewünscht. Angaben zur Besetzung des Stückes gingen aus dem Notentext nicht hervor. Da Noten durch Transport oder häufiges Studium oft erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, muss der Einband so stabil wie möglich sein. Ein von einigen Teilnehmern gewünschter E-Mailversand von Musikalien ist aus urheberrechtlichen Gründen nicht realisierbar.
In der Hoffnung auf eine Weiterführung des Projektes (die Bewilligung steht noch aus) wünschen wir uns eine weitere technische Verbesserung der Software sowie einen festen Ansprechpartner innerhalb der DZB, der sowohl technisch als auch musikalisch versiert sein sollte, um so guten und umfassenden Service bieten zu können. Alle weiteren Informationen über das Projekt sind im Internet unter www.dzb.de/dacapo zu finden.
Die schweizerische Bibliothek für Blinde, vertreten durch Frau Lia Cariboni, überträgt neben klassischer Literatur zunehmend Musik aus den Bereichen Jazz und Gospel. Zu erwähnen ist hier besonders die Reihe "Sing the Gospel" für gemischten Chor und Klavierbegleitung. Des Weiteren hat die SBS während des vergangenen Jahres die Notenbestände der ONCE katalogisiert, die in Zukunft auch in Zürich ausleihbar sein sollen. Interessante Veröffentlichungen sind unter anderem: Musik Sekundarstufe 1, Bartok Petite Suite für Klavier sowie Dietrich Buxtehude "Sämtliche Orgelwerke" in der Neuausgabe von Christoph Albrecht. Alle Kataloge und Informationen gibt es im Internet unter www.sbs-online.ch
Die Förderung der Notenübertragungsstelle in Wernigerode lief im März 2005 aus. Hier wurden in den letzten Jahren viele bislang nicht verfügbare Noten produziert. Das Bedauern über die Schließung der Übertragungsstelle wurde allgemein zum Ausdruck gebracht. Wir möchten es aber nicht versäumen, Frau Heide Reinhold unseren herzlichen Dank auszusprechen. Sie war von Beginn an Mitarbeiterin in der Übertragungsstelle und sorgte zuverlässig und engagiert für einen unbürokratischen und gut funktionierenden Service. Wir hoffen, dass sie uns als Mitglied im Notennetzwerk auch weiterhin in Freundschaft verbunden bleibt.
Das noch im Entstehen befindliche Lehrbuch der Blindennotenschrift soll es blinden Musikern aller Zielgruppen ermöglichen, die Notenschrift im Selbststudium zu erlernen. Zusätzlich soll eine Schwarzschriftausgabe für sehende Lehrer erscheinen. Die Lehrbuchkommission, bestehend aus Mitgliedern der Fachgruppe Musik, traf sich im Oktober 2005. Man einigte sich darauf, für den allgemeinen Teil (Einführung in die Notenschrift) als akustisches Zusatzangebot eine CD zu erstellen, die ergänzend beim Lernen verwendet werden kann. Der Allgemeine Teil wird vermutlich zwei Bände umfassen. Die instrumentenspezifischen Aufsätze sollen im Laufe des Jahres fertig werden.
Trotz intensiver Bemühungen, den Bestand an Braillenoten zu erweitern, gibt es immer wieder Übertragungswünsche seitens der Netzwerkmitglieder, die je nach Aufkommen und Machbarkeit berücksichtigt werden. Die vorgeschlagenen Titel werden dann in den Bestand der Übertragungsstelle übernommen. Genannte Titel waren unter anderem "Der musikalische Satz" (Tonsatz- und Harmonielehrewerk) und "Schule der Historischen Aufführungspraxis" (Orgelschule).
Des Weiteren wurden von den Bibliotheken in Leipzig und Zürich im Laufe des vergangenen Jahres einige interessante Werke fertig gestellt. Zu nennen sind hier z.B. "Chorsätze zum Evangelischen Gesangbuch" und "Pianoballades".
Auf der Internetseite www.defordmusic.com steht ein umfangreiches Angebot von Noten zur Verfügung, die kostenlos heruntergeladen werden können. Man findet hier unter anderem kirchenmusikalische Werke aus dem neugeistlichen Bereich im PDF und MP3-Format.
Die Blindenschule in Nürnberg hat einen umfangreichen Bestand an Braillenoten übernommen, der im März 2006 von Netzwerkmitgliedern gesichtet und katalogisiert werden soll.
Auch in Hannover gibt es einen kleinen Bestand an Musikalien. Es handelt sich dabei um Orgel- und Klaviernoten, die entweder musikwissenschaftlich veraltet sind oder fehlerhaft übertragen wurden. Somit kommen sie für eine eventuelle Verbreitung wahrscheinlich nicht in Frage.
Das katholische Kirchenjahresbuch "Morgenlob Abendlob" ist mittlerweile in Paderborn verfügbar und wird hoffentlich auch ausleihbar sein.
Die nächste Notennetzwerk-Tagung findet vom 26.01. bis 27.01.2007 in Bensheim im Gästehaus der Christoffel Blindenmission statt.
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