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In diesem Jahr 2007 wird unsere "Öffentliche Schülerbibliothek" genau fünf Jahre jung. Im vergangenen Jahr wurde ein Team unter Leitung von Diplom-Bibliothekarin Ellen Schweigert gebildet, durch dessen Arbeit die Bibliothek zu neuem Leben erwacht ist. Über zwei Veranstaltungen, die 2006 stattgefunden und in der Schülerschaft für Begeisterung gesorgt haben, soll hier berichtet werden.
Mit diesen beiden Präsentationen wurde eine seit längerem bestehende Tradition fortgesetzt. Nach den Autoren Friedrich Ani 2004 (siehe den Bericht von Wilfried Laufenberg in Horus 6/2004) und Birgit Vanderbeke 2005 besuchte am 10.10.2006 in der 5. und 6. Schulstunde (von 11:25 bis 13:10 Uhr) die Jugendbuchautorin Jana Frey die Schülerbibliothek, die mit rund 60 Schülerinnen und Schülern sowie ihren FachlehrerInnen bis auf den letzten Platz besetzt war. Jana Frey stellte ihr vor einigen Jahren erschienenes Buch "Der verlorene Blick" vor, das es in unserer Bibliothek in Schwarz- und Punktschrift sowie als Hörbuch gibt, was den SchülerInnen Gelegenheit gab, sich auf diese Lesung thematisch vorzubereiten.
Die 37-jährige Autorin beschreibt in ihrem Buch die authentische Lebensgeschichte von Leonie, einem Mädchen, das mit 15 Jahren infolge eines Autounfalls erblindet. Alle in dieser Geschichte vorkommenden Personen (z. B. Leonie, ihre beiden Brüder Siemen und Grischa, ihr Freund Frederik oder auch das Au-pair-Mädchen Katy) existieren - natürlich unter geänderten Namen - tatsächlich, und die Autorin hat fast alle persönlich kennen gelernt.
Der "Erblindungsunfall" ereignet sich im Auto von Leonies Eltern, mit dem sie und ihre Freunde einen Ausflug machen wollen. Da nur Katy eine Fahrerlaubnis hat, kommt auch nur sie als Fahrerin in Frage. Es regnet heftig, die Sicht wird immer schlechter, und außer Leonie sind alle angeschnallt. Plötzlich kommt das Auto von der Straße ab und Leonie stößt mit dem Vorderkopf so heftig gegen die Fensterscheibe, dass ihre Augen schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Sofort wird sie in ein Krankenhaus gebracht und dort in ein längeres Koma versetzt.
Jana Frey hatte ein sehr interessiert zuhörendes Schülerpublikum vor sich. Dies lag mit Sicherheit auch an ihrer lockeren Art lag, das doch sehr ernste Thema zu vermitteln. Schon nach fünf bis zehn Minuten ihrer Lesung wurden die ersten Fragen gestellt.
Berührt waren alle von den Traumszenen aus der Zeit des Komas, an die Leonie sich erinnert, und vor allem von den Gefühlen, die sie beschreibt, als sie über das Aufwachen berichtet: Es ist dunkel, ihr Kopf, um den sich ein großer Verband befindet, tut schrecklich weh und sie hat das Gefühl, dass dieser ihr die Sicht "vernebelt", woraufhin sie ihn los werden will. Nach und nach wird ihr von ihrer Umgebung klar gemacht, dass sie blind ist. Wie Viele in ihrer Situation, kämpft sie zunächst dagegen an und macht sich Hoffnungen, es könnte vielleicht nur ein vorübergehender Zustand sein, der irgendwann vorbei geht. Es dauert längere Zeit, bis sie sich ganz mit der neuen Situation abgefunden hat. In dieser Zeit lernte auch Jana Frey Leonie kennen. Nach einer längeren "Eingewöhnungsphase", in der Leonie Punktschrift und Blindentechniken lernt, die für sie anfangs sehr schwer sind, geht Leonie aber doch ihren Weg geradlinig weiter. Sie macht sogar das Abitur an der gleichen Regelschule, die sie besucht hat, als sie noch sehen konnte. Was aber besonders wichtig und erwähnenswert ist: Ihre Familie und all ihre Freunde einschließlich Frederik lassen sie nicht im Stich, sondern stehen voll hinter ihr!
Während der Lesung berichtete Jana Frey auch, wie es Leonie heute geht. Sie ist jetzt 21 Jahre alt, studiert Psychologie und hat nun einen anderen Freund, der geburtsblind ist. Das war für Frederik zunächst sehr schmerzhaft, aber Jana Frey meinte, dass dieser neue Freund, der ja das Leben als Blinder kennen gelernt hat, schon sehr früh zu Leonie sagte "Hör auf zu jammern!", und diesen "Schubs" und diese Erfahrung brauchte Leonie offenbar, um besser mit der Situation zurechtzukommen.
Es waren zwei gelungene "Frey-Stunden" in der Schülerbibliothek. Viele der zuhörenden Schüler waren vor allem von der Thematik "Erblindung" sehr angesprochen, und sie konnten sich sehr gut in Leonies Situation direkt nach ihrer Erblindung hineinversetzen. Das geht auch aus einigen Äußerungen hervor, die SchülerInnen der Klasse 7b nach der Lesung aufgeschrieben haben. Sie wurden uns freundlicherweise von Marianne Haug-Gottschalk (CSS-Lehrerin und Mitglied im Schülerbibliotheksteam) zur Verfügung gestellt:
"An der Geschichte fand ich sehr gut, dass es wirklich passiert war und deswegen ihr Inhalt nicht so weit hergeholt klang. Auch fand ich, dass die Autorin lebendig vorgelesen hat. Ich finde es auch sehr gut, dass die Familie des Mädchens sie sehr unterstützt hat. Aber dass sich das Mädchen so der Punktschrift verschlossen hat, finde ich sehr starrköpfig ..."
"Ich fand das Buch interessant, weil ich mich mit dieser Person identifizieren kann. Wie sie auf diese plötzliche Erblindung reagiert, wie sie auf ihre Umwelt reagiert, ihre Wutausbrüche und ihre Abneigung für alles was ihre Blindheit kenntlich macht. Außerdem fiel es ihr genauso wie mir sehr schwer zu wissen, dass es jetzt einige Dinge geben würde, die man nicht mehr machen kann ..."
Um einen Blinden ganz anderer Art ging es am 17.11.2006, als uns "Peter Lundt, der blinde Detektiv" in der Schülerbibliothek vorgestellt wurde. Er ist der Held einer von Arne Sommer verfasste Krimihörspielserie, die auf Audio-CDs erscheint und vom Hamburger "Hörformat-Verlag" herausgebracht wird. Zwei Produzenten dieser Serie stellten uns seine Fälle auszugsweise vor, wobei sie jedoch nie die Lösung verrieten und berichteten außerdem aus ihrer Arbeit.
Im Gegensatz zu Jana Freys Geschichte sind sämtliche Figuren dieser Serie frei erfunden. So auch Peter Lundt, ein ehemaliger Polizist, der durch einen Arbeitsunfall im Alter von etwa 40 Jahren erblindet. Statt sich aber nun zur Ruhe zu setzen, entschließt er sich, blinder Privatdetektiv zu werden. Er gibt eine Anzeige auf, in der er nach einer sehenden Arbeitsassistentin sucht und gibt ihr den provozierenden Titel "Augen gesucht". Daraufhin meldet sich Anna Schmidt, eine Studentin, Anfang 20, der ein solcher Job als gute Nebenverdienstmöglichkeit erscheint. Peter Lundt stellt sie an, und nach einigen Eingewöhnungsschwierigkeiten - die zwischen Blinden und Sehenden schon mal vorkommen können - lösen sie gemeinsam knifflig inszenierte Fälle.
Sechs Fälle sind bereits erschienen, und es werden noch weitere folgen. Die erst 2004 entstandene Serie erfreut sich großer Beliebtheit, wie man auf der Homepage des kleinen Hamburger Verlages (www.hoerformat.de) erfahren kann und wird demnächst in der Schülerbibliothek verfügbar sein.
Auch diese Veranstaltung war für alle, die dabei waren, ein voller Erfolg, und wir möchten uns an dieser Stelle sehr herzlich bei Almut Galach und Klaus Lauer-Wilms bedanken, dass sie zu uns gekommen sind.
Die nächste Veranstaltung ist schon geplant: Am 26.01.2007 wird der Jugendbuchautor Jochen Till zu uns kommen, worüber wir im nächsten Horus-Heft berichten werden.
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