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"Was vergangen, kehrt nicht wieder. Aber, ging es leuchtend nieder, leuchtet's lange noch zurück"
Diese Zeilen aus einem Gedicht "Erinnerung und Hoffnung" von Carl Förster treffen voll und ganz auf Horst Stolper zu, der am 23. November 2006 im 86. Lebensjahr für Viele unerwartet für immer von uns gegangen ist.
Horst Stolper wurde am 28. Juli 1921 in Schlesien geboren. Da er im dritten Lebensjahr erblindete, besuchte er die Blindenschule in Breslau, wo er auch zum Bürstenmacher und zum Stenotypisten ausgebildet wurde. Später schloss sich noch in Chemnitz eine Ausbildung zum Masseur an. Ob er aber jemals als Bürstenmacher gearbeitet hat, weiß ich nicht. Als Stenotypist und später als Sachbearbeiter war er in einer Behörde tätig. 1945 verließ er seine Schlesische Heimat und zog in den Westen. Einige Jahre lebte er in Olpe, wo er ein Abendgymnasium besuchte und die Hochschulreife erlangte. Er studierte Jura in Köln, wo er auch das 1. und das 2. Staatsexamen ablegte.
Seine erste Anstellung als Richter fand er am Gericht in Olpe. Es folgte die Versetzung an das Landgericht in Hagen, wo er dann bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 1981 tätig war. Seine Übersiedlung nach Hagen war dann nur noch eine Frage der Zeit. Er wurde Westfale, doch im Herzen blieb er Schlesier. Davon zeugen die von ihm häufig organisierten Schlesier-Treffen im Blindenerholungsheim Valbert. In Olpe lernte er auch Bärbel, seine spätere Frau, kennen. Zwei Kinder, Hartmut und Beate, wurden ihnen geboren.
Der Blindenselbsthilfe trat Horst Stolper schon in sehr jungen Jahren bei; wohl aus Überzeugung, aber auch auf Drängen seines ehemaligen Lehrers und späteren väterlichen Freundes Prof. Alfred Stöckel. Horst Stolper wurde Vorsitzender des Blindenvereins Westfalen und von 1982 bis 1986 Vorsitzender des Deutschen Blindenverbandes, danach Ehrenmitglied. Dort lernten wir Horst Stolper erst richtig kennen und schätzen. Sein zielstrebiges Arbeiten, sein messerscharfer Verstand und sein logisches Denken waren beeindruckend. In Sitzungen und Verhandlungen verstand er zu überzeugen, nicht zu überreden. Aus seinen vielen Ideen sei nur eine herausgegriffen. Weil er um den Wissensnotstand taubblinder Menschen wusste, schuf er die Tagesnachrichten für Taubblinde. Diese segensreiche Schöpfung erscheint nunmehr seit über zwanzig Jahren fünf mal pro Woche in Blindenvoll- und Kurzschrift. Kein Taubblinder möchte diese Tagesnachrichten heute missen.
Während der Jahre als DBV-Vorsitzender, also von 1982 bis 1986, war Horst Stolper geborenes Vorstandsmitglied der Vereins Deutsche Blindenstudienanstalt. Er war außerdem Mitglied des DVBS, in der Fachgruppe Jura und zuletzt in der Fachgruppe Ruhestand. Noch Ende Oktober, also nur wenige Wochen vor seinem Tod, nahm er an einem Seminar der Fachgruppe Ruhestand in Timmendorfer Strand teil. Wer konnte ahnen, dass dies sein letzter Auftritt im Kreis alter Freunde war.
Auch international war Horst Stolper im Blindenwesen tätig. So war er maßgeblich daran beteiligt, dass sich die beiden weltweit operierenden Blindenorganisationen WCWB und IFB zur Weltblindenunion mit regionalen Untergliederungen zusammenschlossen. Die neue Satzung der WBU trug eindeutig seine Handschrift. Dafür wurde Horst Stolper bei der Generalversammlung der WBU 1986 in Toronto zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit ernannt. Gleichzeitig wurde er in das Präsidium der Europäischen Blindenunion (EBU) gewählt. Besonders lag ihm die Situation und die unvorstellbare Not blinder Menschen in den Entwicklungsländern am Herzen. Als sein Nachfolger im Präsidium der EBU konnte ich erleben, wie bei jeder sich bietenden Gelegenheit das große Engagement Horst Stolpers gerade auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe lobend erwähnt wurde. Davon zeugt auch sein letzter Wille, von persönlichen Spenden bei seinem Tod abzusehen und die ihm zugedachten Spenden auf das Entwicklungskonto des DBSV zu überweisen. Aber auch nach seinem Ausscheiden aus dem EBU Präsidium stand Horst Stolper diesem noch lange mit Rat und Tat zur Seite, so in der Kommission, die sich mit der Einführung des Euro befasst hatte. Dass Euromünzen und Euroscheine auch für Blinde erkennbar wurden, ist mit das Verdienst von Horst Stolper. Dafür gebührt ihm unser aller Dank.
Horst Stolper hätte alle seine Arbeit für blinde und sehbehinderte Menschen auf nationaler und internationaler Ebene nicht leisten können, wäre er nicht des Verständnisses und der Unterstützung seiner Frau sicher gewesen. Auch Frau Stolper haben wir dafür zu danken.
Zum Schluss noch kurz zur Frage: Wer war Horst Stolper? Horst Stolper war ein sehr musischer Mensch, der einen guten Tropfen nicht verschmähte und gerne Freunde um sich hatte. Er selbst war der Freundschaft fähig. Auch Integration war für ihn ein hohes Ziel. Viele Jahre gehörte er dem Tanzclub Hagen an, wobei im Gesellschaftstanz das Ehepaar Stolper gern gesehene Mitglieder waren.
Und wie können wir Horst Stolper für alle von ihm geleistete Arbeit für blinde und sehbehinderte Menschen danken? Am besten dadurch, dass wir unsere Arbeit in seinem Sinne fortfahren. So wird uns das zu Anfang dieses Nachrufes genannte "leuchten" noch lange erhalten bleiben.
Am 28. November haben viele Freunde, Bekannte und Verwandte Horst Stolper auf seinem letzten Weg hier auf Erden begleitet.
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