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Klaus Röder: Erstes europäisches Treffen von Psychologen/innen, die mit sehbehinderten und blinden Menschen arbeiten

Einen Blick über den deutschen Gartenzaun der psychologischen Arbeit mit Sehbehinderten und Blinden

... nahmen am 9. und 10. Oktober 2006 mehrere Kolleginnen und Kollegen aus Stuttgart, Würzburg, Nürnberg, Heidelberg, Chemnitz, Friedberg, Marburg und Schleswig. Sie trafen sich mit 38 Kolleginnen und Kollegen aus 17 europäischen Ländern - die allermeisten Psychologinnen und Psychologen - in Kopenhagen, um an der Tagung "A new approach for the psychological work with visually impaired persons in Europe" teilzunehmen. Eingeladen hatte Peter Rodney, ein Mitglied im Vorstand des ICEVI (International Conference of Education of Visually Impaired) und Educational Consultant des Dänischen Instituts für Blinde und Sehbehinderte.


Der Wert der Tagung lag weniger in den interessanten Vorträgen über neuere Forschungsergebnisse zum Sehen ("The Central Visual System" und "Vision Science: The multidisciplinary approach to visual information processing") als in der Begegnung mit den vielen Kollegen/innen aus Europa und dem Erfahrungsaustausch. In neun Fachvorträgen gaben Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, Slowenien, England, Frankreich, Spanien, Holland und Norwegen Einblicke in ihre Arbeitsfelder, stellten Projektergebnisse dar und präsentierten ihre nationalen Organisationsformen der psychologischen Arbeit. Auch die AG Psychologie im VBS wurde von Mechthild Gahbler in diesem Sinne vorgestellt.


Die große Vielfalt der psychologischen Tätigkeiten in der Arbeit mit Blinden und Sehbehinderten war in Kopenhagen präsent. Von der Frühförderung über die Arbeit in Sondereinrichtungen bis hin zur therapeutischen Arbeit und zur Entwicklung von Test- bzw Überprüfungsverfahren reichte die Spanne. Entsprechend groß war der Wunsch, mehr über die verschiedenen nationalen Schwerpunkte zu erfahren. Zu dem Zweck wurde eine Liste erstellt, auf der die Teilnehmer ihre Interessensgebiete und ihre Adressen festgehalten haben. Dem schon den Namen Netzwerk zu geben wäre verfrüht, aber in der Zukunft wird hoffentlich einmal eine solche europäische Struktur zur Unterstützung der nationalen psychologischen Arbeit existieren.


... Segregation - Inklusion - Segregation ...

Nicht verwunderlich war der große Abstand zu den noch im Aufbau begriffenen sonderpädagogischen Strukturen in südosteuropäischen Ländern (vertreten waren Slowenien und Bosnien-Herzegowina) und zwischen Veränderungen, die sich z. B. in Schweden abzeichnen, wo die kürzlich gewählte Regierung die Wiedereröffnung der Sonderschulen und damit eine Abkehr von der Ausschließlichkeit der Integration beschlossen hat. Aus anderen skandinavischen Ländern wurden ähnliche Überlegungen berichtet, die eine Abkehr von einem starren Integrationssystem betrafen.


Am Ende der Tagung wurde ein doppelter Ausblick gegeben. Zum einen erklärten sich die Teilnehmer aus den Niederlanden bereit, eine Folgekonferenz 2008 in Leiden abzuhalten. Zum anderen luden die französischen Teilnehmerinnen zur 40-Jahrfeier ihres nationalen Verbandes der französischen Psychologen/innen im Sehgeschädigtenwesen ein, die 2009 in Straßburg stattfinden wird. Die französischen Kolleginnen versprachen, eine Simultanübersetzung zu organisieren. Interessant ist, dass in Frankreich eine von der Psychoanalyse beeinflusste Theoriebildung in der psychologischen Arbeit mit Sehbehinderten und Blinden entwickelt wurde, die bis heute Bestand hat und in dieser Form in Europa einzigartig zu sein scheint.


Wie dem auch sei, die Möglichkeit des (in Englisch zu führenden) Austauschs mit Kolleginnen und Kollegen aus dem europäischen Ausland erweitert den Horizont ein gutes Stück und führt tendenziell aus der Nische der psychologischen Arbeit mit Sehbehinderten und Blinden heraus, in der wir alle angesichts der kleinen Fallgruppen stecken.

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