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Keyvan Dahesch: Im Krankenhaus fehlt Hilfe. Eigene Pflegekräfte für behinderte Patienten nicht bezahlbar

Behinderte, die in ein Krankenhaus müssen, dürfen aus Kostengründen oft ihre Pflegekräfte nicht mehr mitnehmen. Darunter leidet ihre Behandlung. Auf diesen Missstand machte das Forum Selbstbestimmte Assistenz (Forsea) bei einer Konferenz in Düsseldorf aufmerksam. Die Organisation, in der etwa 400.000 Pflegebedürftige und ihre Selbsthilfeorganisationen zusammengeschlossen sind, stellte ihre Kampagne "Ich muss ins Krankenhaus, was nun" vor, die sich vor allem an Krankenhäuser, Krankenversicherungen und Sozialhilfeträger wendet.


"Sobald wir in ein Krankenhaus eingewiesen werden, streicht der Sozialhilfeträger und/oder die Pflegeversicherung das Geld für unsere Pflegekraft", sagte die Forsea-Vorsitzende Elke Bartz. Was das bedeuten kann, zeigten Berichte von Forsea-Mitgliedern aus Kliniken. Blinde mussten lange allein warten, bis ihnen jemand den Weg zur Toilette zeigte; Gehörlosen konnte niemand die ärztlichen Anweisungen in  Gebärdensprache vermitteln; geistig Behinderte verstanden nicht, was sie tun sollten; Gelähmte wurden lange im Bett nicht umgedreht.


"Ich dachte, die Situation hat sich inzwischen gebessert", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete und Bundesbehindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer. Auf ihre Kritik antworteten Vertreter der Sozialhilfeträger mit dem Hinweis auf Bestimmungen in den entsprechenden Gesetzen.


Krankenhausärzte haben die Möglichkeit, bei schwer behinderten Patienten aus medizinischen Gründen die Notwendigkeit einer Hilfskraft festzustellen. Von dieser Möglichkeit aber machen nach den Worten der Forsea-Vorsitzenden Elke Bartz immer weniger Ärzte Gebrauch.


"Das liegt nicht an unserem schlechten Willen, sondern daran, dass wir das Geld aus unserem Pflegesatz bezahlen müssen", betonten ihrerseits Ärzte und wiesen damit die Einwände zurück. Da die wenigen Krankenschwestern und Krankenpfleger mit der Betreuung der Patienten genug zu tun hätten, seien die schwer behinderten Menschen im Krankenhaus völlig hilflos, sagte Elke Bartz.


Mit einer Gesetzesinitiative will die Bundesbehindertenbeauftragte Evers-Meyer für Abhilfe sorgen. "Es muss nur eine einzige Stelle die Finanzierung der Pflege in- und außerhalb der eigenen vier Wände regeln, damit die Betroffenen nicht zu tausend Stellen laufen müssen", kündigte sie in Düsseldorf an.


(Frankfurter Rundschau, 24. Oktober 2006, Seite 4)

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