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Waltraud Czieslik, Hanjo Reinschmidt, Jürgen Nagel: "Orientation and Mobility in an Inclusive Society"

International Mobility Conference (IMC) 12 in HONG KONG

Als die 12. IMC vom 27. November bis zum 1. Dezember 2006 in Hong Kong tagte, waren unter den 350 Delegierten aus 30 Ländern auch 3 Repräsentanten der Rehabilitationseinrichtung (RES) der blista vertreten.


Die IMC wurde im Jahr 1979 mit der ersten Konferenz in Frankfurt gegründet und verfolgt seither das Ziel, Fachleuten im Bereich Orientierung & Mobilität (O&M), einen Erfahrungsaustausch über ihre Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen auf internationaler Ebene zu ermöglichen.


Seit Gründung der IMC haben in dreijährigem Turnus Konferenzen in Paris, Wien, Jerusalem, Eindhoven, Madrid, Melbourne, Trondheim, Atlanta, Coventry und Stellenbosch stattgefunden.


Zur 12. IMC lud die Hong Kong Society for the Blind anlässlich des 50-jährigen Bestehens ihrer Organisation in diesem Jahr erstmalig nach Asien ein.


Organisationskomitee des IMC

Austragungsort für diese Konferenz war das Langham Place Hotel, im Stadtviertel Mong Kok gelegen, inmitten des geschäftigen Treibens der Neunmillionenstadt.


Die Tagung unter dem Motto "Orientation and Mobility in an Inclusive Society" verfügte neben zahlreichen interessanten Beiträgen über die Forschung und praktische Arbeit in aller Welt auch über ein gut organisiertes Rahmenprogramm.


In diesem Zusammenhang soll auch auf die gelungene Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie auf die Exkursionen hingewiesen werden.


Im Vordergrund der Konferenz stand für die Teilnehmer der blista, ihre Einrichtung durch einen Informationsstand zu präsentieren und gleichzeitig für die nächste IMC 13 zu werben, deren Gastgeber die blista im Sommer des Jahres 2009 sein wird.


Neben dieser Aufgabe war es auch möglich, aus dem zahlreichen Angebot von Fachvorträgen ein repräsentatives Spektrum auszuwählen und zu besuchen.


Stellvertretend für die über 90 Fachvorträge sollen an dieser Stelle nur einige "Highlights" erwähnt werden.


Besonderes Interesse weckten z. B. Beiträge von O & M-Spezialisten aus den USA, wo O&M an verschiedenen Universitäten als Studiengang angeboten wird. So berichtete u. a. Dr. Sandra Rosen von der San Francisco State University anschaulich über die Entwicklung eines interaktiven Computercurriculums für künftige O & M-Lehrer mit dem Namen "Step by step". Dieses Programm kann als DVD bestellt werden und wird auch im Ausbildungskurs der RES zum Einsatz kommen.


Ein weiterer interessanter Beitrag kam von Sandra Stirnweis aus den USA, die davon berichtete, wie sie einfache taktile Abbildungen und den weißen Langstock bei der Förderung von Kindern bereits ab dem Alter von 2 bis 3 Jahren einsetzt.


Während die Beiträge aus Neuseeland, Australien, Europa und den USA zeigten, dass die O&M-Standards vergleichbare Levels aufweisen, hatten Berichte aus Ländern der so genannten "dritten Welt" eine eigene und besondere Qualität.


Mrs. Moira Higgerty aus Südafrika berichtete besonders eindrücklich von ihrer alltäglichen Arbeit als O&M-Instructor in ihrem Heimatland. Hier wurde für alle Zuhörer deutlich, wie viel Kreativität ihr Engagement für die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen erfordert.


Sie berichtete u. a. darüber, wie sie in einer kontrastarmen, unbeleuchteten Umgebung auf dem Lande - es gibt hier keinen Strom - auf weiße Einkaufstüten aus Kunststoff zurückgriff, um für eine sehbehinderte Klientin einen Weg im Freien kontrastreich zu markieren.


An dem vortragsfreien Nachmittag der Woche hatte die Hong Kong Society for the Blind zur Besichtigung ihrer Räumlichkeiten eingeladen. Dies stellte ein weiteres "Highlight" der IMC dar.


Das moderne Gebäude der Society, die von der Regierung als gemeinnützige Gesellschaft sowie vom Hong Kong Jockey Club großzügig unterstützt wird, liegt im Zentrum von Kowloon, einem Stadtteil von Hong Kong. Sowohl die Architektur des Gebäudes, als auch die optimal auf die Bedürfnisse sehbehinderter und blinder Menschen abgestimmte Innenraumgestaltung belegen, dass die Society nicht nur über ein hoch entwickeltes Knowhow, sondern auch über entsprechende finanzielle Mittel verfügt, um all dieses umzusetzen.


Das neunstöckige Gebäude bietet unter einem Dach folgende Einzelabteilungen:



Die Besichtigung hinterließ einen bleibenden Eindruck und gab viele Anregungen für optimierende Maßnahmen hinsichtlich einer blinden- und sehbehindertengerechten Gestaltung von Innenräumen. Aber auch im öffentlichen Verkehrsraum wurden die Aktivitäten der Society offenkundig; so verfügen beispielsweise alle U-Bahn-Stationen in Hong Kong über ein hervorragend ausgestattetes taktiles und sehbehindertengerechtes Leitsystem. Besonders beeindruckend ist, dass die Bahnsteige durch Glaswände von den Gleisanlagen abgetrennt sind, so dass kein Fahrgast auf die Gleise geraten kann, erst dann, wenn die U-Bahn den Bahnhof erreicht und angehalten hat, öffnen sich genau auf Höhe der Türen der U-Bahn entsprechende Türen in der Glasfront und erlauben ein absolut gefahrloses Verlassen und Einsteigen.


Um blinden Fußgängern die Mobilität in dieser Metropole zu erleichtern, sind alle ampelgeregelten Kreuzungen mit insgesamt 13.000 (!) akustischen Zusatzeinrichtungen versehen.


Einladung zum IMC 13

Mit den in Hong Kong angetroffenen Rahmenbedingungen wird die blista im Jahr 2009 nicht konkurrieren können, aber die Universitätsstadt Marburg und die blista besitzen eigene Vorzüge, für die Jürgen Nagel im Rahmen seiner Vorstellung des nächsten Konferenzortes während der Abschlussfeier anschaulich geworben hat. Die Teilnehmer wurden herzlich dazu ermuntert, der Einladung zur 13. IMC 2009 in Marburg unter dem Motto "More than a Cane" nachzukommen.

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