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Dr. Hans-Eugen Schulze ist ein Gewinnertyp. Verlieren oder aufgeben ist seine Sache nicht. Das hört sich zunächst so an, als ob unser Mann seinen Kopf mit allen Mitteln durchzusetzen versuchen würde. Doch so ist es nicht. Nur streitet unser Jubilar energisch für eine Sache, wenn er sie einmal als richtig und wichtig erkannt hat. Ist das der Fall, dann bringt er eine enorme Energie mit, die auf Mitstreiter wie Gegner ausstrahlt und alle Beteiligten zu Höchstleistungen anspornt. Hans-Eugen Schulze verkörpert so - lange bevor man ihn erfunden hatte - in gewisser Weise den modernen Sozialstaat, der seine Adressaten ja fördern und fordern soll. Es war und ist nicht immer leicht, diese Energie zu kanalisieren (und das wird auch unserem Jubilar sicher gelegentlich selbst so gegangen sein). Sie hat aber in seinem Leben für ihn wie für diejenigen, die es miterleben, viel bewirkt, in Bewegung verwandelt und Veränderungen erreicht.
Erstmals hörte ich von Hans-Eugen Schulze noch während meiner Schulzeit. Er war gerade zum Richter am Bundesgerichtshof ernannt worden und kurzzeitig ein Star der Medien. Naturgemäß wurde er uns Schülern ein wenig auch als Vorbild verkauft nach der Devise: Schaut mal, wie weit es auch ein blinder Mensch bringen kann. Das erste Mal "live" erlebte ich ihn dann bei einer Mitgliederversammlung unseres Vereins, als er - wie es mir vorkam - zackig aufsprang, um die Entlastung des Vorstandes zu beantragen. Später sollte ich verstehen, dass es ihm nur darum ging, Zeit zu sparen und die Dinge voranzubringen. Viele weitere Erinnerungen habe ich an den Macher Hans-Eugen Schulze, der aber hinter diesem Machen nie vergaß, warum und für wen er es tat.
Nur eine mir besonders wertvolle Aktion möchte ich hier noch erwähnen. Als 1990 die deutsch-deutsche Vereinigung mit Riesenschritten näher rückte und wir uns alle ernste Sorgen um die weitere berufliche Existenz blinder und sehbehinderter Menschen in der auslaufenden DDR machten, war er es, der mit Geschick und Durchsetzungsvermögen einen Kurs für blinde und sehbehinderte Juristinnen und Juristen aus den dann "neuen Bundesländern" in Bewegung setzte, der ihnen einen schnellen und präzisen Überblick über das für sie neue Rechtssystem der Bundesrepublik verschaffen sollte. Dieses Angebot, unterstützt auch durch das Bundesjustizministerium, zu dem Hans-Eugen Schulze gute Beziehungen unterhielt und unterhält, hat bei denen, die es anging, nach meiner Wahrnehmung ein Zeichen gesetzt, ein Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit. Natürlich lässt sich nicht genau sagen, ob und in welchem Umfang durch diese Kurse für die Betroffenen eine berufliche Perspektive wirklich aufrechterhalten oder neu geschaffen werden konnte. Doch zeigt das Beispiel für mich die Denk- und Vorgehensweise von Hans-Eugen Schulze sehr deutlich: Schnelle Analyse, gepaart mit Umsetzungsvorschlägen und überzeugender Taktik, diese auch durchzusetzen.
Es gäbe eine Reihe weiterer Beispiele, die diese Eigenschaften belegen könnten. Ich will hier ebenso auf sie verzichten wie auf die vielen Aktivitäten des Jubilars in der deutschen und internationalen Blindenszene. Sie lassen sich - rudimentär - in unserer Zeitschrift nachlesen, nur rudimentär deshalb, weil jeder, der Veranstaltungen plant, durchführt und ihre Ergebnisse weiterträgt, weiß, wie viel mehr dahinter steckt als ein bloßer Tagungsbericht oder eine verabschiedete Resolution. Erwähnt sei nur noch die umfangreiche Arbeit, die Hans-Eugen Schulze auch in der Seniorengruppe des DVBS in den letzten 20 Jahren entfaltet hat. Ihm ist es unter anderem zu danken, dass sich diese Gruppe zu einem Kristallisationspunkt der Arbeit für ältere blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland entwickeln konnte, eine Arbeit, die mittlerweile zuverlässig von seinen Nachfolgern weitergeführt wird.
Was tut der Autor eines Geburtstagsartikels, wenn er mit seinen Zeilen zum Ende kommt? Natürlich: Er soll noch ein paar gute Wünsche für die Zukunft des Gewürdigten formulieren. Am einfachsten ist es, dem Geehrten diese Aufgabe selbst zu überlassen, indem man ihm die Dinge wünscht, die er selbst in der Zukunft noch erreichen möchte, und das ist auch nicht der schlechteste Ansatz.
Gleichwohl möchte ich doch auch selbst wenigstens einen Wunsch formulieren: Möge Ihnen, lieber Herr Dr. Schulze, ihre Schaffenskraft, aber auch ihr Glaube, der ihnen nach meiner Wahrnehmung immer geholfen hat, auch schwierige Situationen zu meistern, weiter erhalten bleiben.
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