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Claus Duncker: Vorangestellt

Die ersten Wochen als Vorsitzender der Deutschen Blindenstudienanstalt liegen hinter mir. Natürlich eine viel zu kurze Zeit, um ein erstes Resümee zu ziehen. Denn die neue Aufgabe bringt - obwohl ich ja eigentlich bereits ein alter Hase an der blista bin, immerhin unterrichte ich seit 1992 an der Carl-Strehl-Schule - eine Vielzahl neuer Eindrücke und natürlich auch für mich persönlich einige Veränderungen. Eine dieser Veränderungen ist, dass ich zukünftig nicht mehr als Lehrer tätig sein werde. Das mag bei manchem Schüler eher Erleichterung hervorrufen, ich persönlich bedaure es schon ein bisschen. Denn so sehr ich mich auch auf die neuen Herausforderungen freue, werde ich doch den engen Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern vermissen. Die Arbeit mit jungen Menschen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Und trifft man einen ehemaligen Schüler nach einigen Jahren wieder, z. B bei einem der vielen blista-Feste, so ist man schon ein wenig stolz, "gestandenen" jungen Menschen zu begegnen.


Diese "gestandenen" ehemaligen blista-Schüler trifft man aber nicht nur bei Festen. Nein, man trifft sie bei vielen Gelegenheiten, denn viele von ihnen haben wichtige Positionen in der Selbsthilfe inne oder stehen im Beruf und im Alltag ihre Frau oder ihren Mann. Damit bin ich dann auch schon bei einer meiner zentralen Anliegen für die Zukunft. Wir müssen alles daran setzen, dass eine erfolgreiche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen in der Gesellschaft auch weiterhin möglich ist. Ausgehend von den hohen Qualitätsstandards in der Ausbildung, denen sich die blista schon immer verpflichtet sieht, gilt es, die Konzepte weiter zu entwickeln und Veränderungen anzupassen. So haben wir in diesem Jahr erfolgreich am ersten Landesabitur in Hessen teilgenommen. Durch unsere Mitarbeiter in der Kommission zur Erstellung der Prüfungsaufgaben ist es uns gelungen, dass die Aufgaben im Fach Biologie barrierefrei gestaltet wurden. Davon haben übrigens auch die sehenden Schüler in Hessen profitiert, die dadurch hervorragendes Bildmaterial zur Aufgabenstellung erhielten. Auch aufgrund dieser Erfahrungen können wir, glaube ich, mit einem gewissen Selbstbewusstsein sagen, dass sich die Carl-Strehl-Schule hinter keiner anderen Schule zu verstecken braucht.


Aber wir dürfen deshalb nicht selbstgefällig werden, denn wir stehen vor großen Herausforderungen. Die EDV bietet viele Möglichkeiten eines schnellen Zugangs zu Information. Das DAISY-Buch ist eine wesentliche Verbesserung zum Hörbuch in Kassettenform. Digitale Dokumente sind mit modernen Hilfsmitteln schnell erfasst. Dennoch muss die Punktschrift die autonome Schrift blinder Menschen bleiben. Um dies zu erreichen, bedarf es eines attraktiven Angebotes unseres Punktschriftverlages und Konzepte, wie es finanziert werden kann. 


Aber auch an den aktuellen politischen Diskussionen und Entwicklungen wie z. B. "ambulant vor stationär" oder dem "Persönlichen Budget" werden wir uns qualifiziert beteiligen müssen. Dazu benötigen wir den intensiven Dialog mit der Selbsthilfe, die traditionell und laut Satzung eng mit der blista verbunden ist. Aber auch den Austausch mit anderen Bildungseinrichtungen, Medien- und Hilfsmittelzentren oder Berufsverbänden sehe ich als wichtigen Teil meiner Arbeit. In den ersten Wochen meiner neuen Tätigkeit habe ich bereits auf verschiedenen Veranstaltungen interessante Kontakte knüpfen können, auf deren Intensivierung ich mich besonders freue.


Ihr und Euer


Claus Duncker

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