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Katharina und Manfred Knoke: Buchbesprechung "Löwin im Dschungel - Blinde und sehbehinderte Menschen zwischen Stigma und Selbstwerdung" von Eva-Maria Glofke-Schulz

Psychosozial-Verlag, Gießen 2007

Eva-Maria Glofke-Schulz legt eine wissenschaftlich fundierte Arbeit vor, die bereits mit einem ausführlichen und sehr persönlichen Vorwort die Lesenden in ihren Bann zieht. Die Verfasserin scheut sich nicht, ihr Leben als blinde Frau in unserer Gesellschaft zu dokumentieren und das vielschichtige, multifaktorielle Phänomen der Behinderung in allen nur möglichen Facetten in Beziehung zu setzen mit dem Prozess der Krisenverarbeitung und Identitätsentwicklung.

Ihre ungewöhnliche Offenheit macht es möglich, eine Vielzahl theoretischer Konstrukte für die Auseinandersetzung mit der Behinderung als Stigma einerseits und der Selbstwerdung andererseits auszuwerten und einer breiteren Leserschicht erfahrbar zu machen. Sie hinterfragt gesellschaftliche Praktiken und gestaltet sie neu, sie ermöglicht den Lesenden sich zu identifizieren und personale und soziale Identität neu zu formen.

Sie findet viele Beispiele von Alltagssituationen zwischen Behinderten und Sehenden oder ergänzt mit Träumen, Vorstellungen und Entwicklungsmöglichkeiten das unglaubliche Repertoire menschlicher Fähigkeiten in der Auseinandersetzung mit der Behinderung. Gesellschaftliches Ausgrenzungsdenken ist ebenso Bestandteil ihrer fundierten Ausführungen wie das Bewußtsein um die nicht aufzulösende Polarität zwischen Behinderung und Normalität.

Sie befasst sich intensiv mit den möglichen Entwicklungsvariablen in psychologischer, physischer und geistiger Sicht. Es gilt daher Entwicklung als innere Kraftquelle und Behinderung als menschliche Herausforderung zu betrachten. Dies geht weit über eine Krisenverarbeitung und Behinderungsbewältigung hinaus.

Frau Glofke-Schulz zeigt auf, wie es möglich ist, alle Kräfte in sich wahrzunehmen und zu fördern, nicht zuletzt, um der eigenen Identität unter der behinderungsbedingten, nicht auflösbaren Widersprüchlichkeit näher zu kommen. Behinderung ist kein zentrales Merkmal der Person, sondern Sinnfindung und Identitätsentwicklung. Respekt und Anerkennung anstelle von Mitleid und Fürsorge auf einer gemeinsamen Basis des Menschseins sind tragende Gedanken des Buches. Wohlwissend, dass einerseits positive Bemühungen um Sinngebung, Gleichberechtigung und barrierefreie Teilhabe bestehen, andererseits Sozialabbau, pränatale Diagnostik, eugenisches Gedankengut, Kosten-Nutzen-Berechnungen und vieles mehr die Situation behinderter Menschen erschweren.

Frau Glofke-Schulz befasst sich auch mit den symbolischen Deutungen und menschlichen Bedürfnissen im Zusammenhang mit Licht und Dunkelheit, Blindheit und Sichtigkeit ebenso wie mit Menschenwürde und Menschenbild in unserer Gesellschaft.  Mit großer Behutsamkeit und Sorgfalt hat sie ein hervorragendes Buch geschaffen, das dennoch nicht die ambivalente Haltung gegenüber behinderten Menschen aufheben kann. Beide Pole menschlicher Qualität sind notwendig damit Menschen sich mit Respekt begegnen. Empfehlenswert ist das Buch für jede Leserin und jeden Leser, die/der offen ist für antropologische Fragestellungen, besonders angesprochen sind blinde und sehbehinderte Menschen, die sich auseinandersetzen wollen mit ihrer Behinderung.

Das Buch mit einer DAISY-CD können Blinde und Sehbehinderte beim

DVBS, Frau Birgit Stolz,

Telefon: 06421 94888-17, E-Mail: stolz@dvbs-online.de,

zum Preis von 34,90 Euro zuzüglich Versandkosten von 3,10 Euro, insgesamt also 38,00 Euro, bestellen.

Im Buchhandel kostet das Buch (ohne CD-ROM) ebenfalls  34,90 Euro, es ist unter der ISBN 978-3-89806-735-5 zu finden.

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