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Hans-Joachim Krahl will keine falschen Hoffnung wecken: "Die aktuelle Entspannung am Arbeitsmarkt könnte helfen, dass Behinderte auch wieder leichter eine Stelle bekommen." Könnte - dieses Wort betont das Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe deutlich. Behinderte haben schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt. Und in Deutschland ganz besonders schlechte - das zeigt eine aktuelle EU-Studie. So liefert Deutschland zum Beispiel im Vergleich zu 18 anderen EU-Staaten das viertschlechteste Ergebnis im Punkt "Arbeitslosigkeit von Männern und Frauen ... mit Hochschulbildung nach Einschränkungsart" ab.
Von allen hoch qualifizierten Behinderten erhalten 17 Prozent weniger eine Stelle als bei den Nicht-Behinderten. In Österreich und Schweden beträgt der Unterschied rund neun Prozentpunkte. In der Tendenz ist in ganz Europa der Zugang zu einem Job für Behinderte schwierig. "Männer und Frauen, die eingeschränkt sind, sind auf allen Bildungsebenen häufiger arbeitslos", heißt es in der Untersuchung von 2007. EU-weit haben von den Behinderten mit höherem Bildungsabschluss lediglich 48 Prozent einen Job im Vergleich zu 85 Prozent bei Nicht-Behinderten.
Die nördlichen Staaten heben sich wieder einmal positiv ab: In Schweden und Norwegen ist die Arbeitslosenrate unter Behinderten identisch mit der unter den Nicht-Behinderten. In Tschechien, Ungarn und Deutschland befanden sich unter den Behinderten verhältnismäßig mehr Arbeitslose als unter Nicht-Behinderten.
Die Autoren der Studie betonen, dass physische oder mentale Einschränkungen nicht nur die Wahrscheinlichkeit auf eine Anstellung senkten, sondern auch die Chance, dass jemand von sich aus aktiv nach Arbeit sucht. Hierzulande gibt es rund 8,6 Millionen amtlich anerkannte behinderte Menschen, mehr als die Hälfte von ihnen im erwerbsfähigen Alter. Nach einer Erhebung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt es besonders unter den 45- bis 55-jährigen Schwerbehinderten eine hohe Arbeitslosenrate: 37 Prozent im Jahr 2006, im Vergleich zu zehn Prozent bei Nicht-Behinderten.
"Das Problem liegt primär in den Köpfen vieler Arbeitgeber. Dass behinderte Menschen leistungsfähig, engagiert und kreativ sein können, haben sie nie hautnah erlebt", erläutert Karin Evers-Meyer, Bundesbeauftragte für Behinderte (SPD). "Wer langfristig etwas bewegen will, der muss sich für eine gemeinsame Schulbildung behinderter und nicht behinderter Kinder einsetzen." Dort fände die frühe Integration statt.
Mit dem wachsenden Druck am Arbeitsmarkt "seit Mitte der 90er Jahre hat sich die Situation verschlechtert", sagt Krahl. Eine Ausnahme zeigt das IAB auf: Im Zeitraum Herbst 2000 bis Herbst 2002 sank die Arbeitslosenrate unter Behinderten deutlich. Hinter dem Erfolg stand die Kampagne "50.000 Jobs für Schwerbehinderte". "Aber eine kurze Aufklärung reicht nicht", meint Johanna Dornette vom IAB. "Sie müsste kontinuierlich laufen."
"Es gibt Förderungsmöglichkeiten, die es für Arbeitgeber attraktiv machen, behinderte Menschen zu beschäftigen", sagt Evers-Meyer. Sie fordert Behinderte jedoch auf, "ihre Ansprüche sehr konkret und hartnäckig einzufordern, damit alle Beteiligten das Gesetz auch endlich zur Kenntnis nehmen. Wenn sich in den Köpfen nichts ändert, werden diese Bemühungen jedoch nicht den gewünschten langfristigen Erfolg bringen."
(aus der Frankfurter Rundschau vom 1. Februar 2008)
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