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Seit Mitte Mai 2008 habe ich die Navigationssoftware "Wayfinder Access", Version 2.00.1000, mit einem Nokia N 82 in Gebrauch. "Wayfinder Access" ist eine kommerzielle Navigationssoftware, die auf dem für sehende Anwender konzipierten Programm "Wayfinder" basiert. "Wayfinder Access" wurde für die Nutzung mit Screenreadern wie "Mobile Speak" und "Talks" angepasst, so dass blinde Anwender die wichtigsten Informationen angesagt bekommen, somit von grafischen Informationen weitgehend unabhängig sind.
Mit "Wayfinder Access" ist es möglich, Routen durch Angabe von Start- und Zielpunkt berechnen zu lassen, um diese dann sofort oder später abgehen bzw. abfahren zu können. Der Anwender hat also die Möglichkeit, sowohl einen Fußgänger- als auch einen Auto- bzw. Taximodus nutzen zu können. Der Auto- bzw. Taximodus kann auch für blinde Anwender hilfreich sein, wenn man z. B. als Beifahrer in einem Fahrzeug sitzt und der Fahrer nicht weiß, wie er ein bestimmtes Ziel ansteuern soll. Im Praxistest konnte ich mit Hilfe des Programms zwei meiner Kolleginnen erfolgreich zu einem Hotel in Diedrichshagen bei Rostock lotsen.
Geht man Routen im Fußgängermodus ab, werden Abzweigungen bzw. Kreuzungen im Abstand von 55, 30, 15 und null Metern angesagt. Das lückenhafte Kartenmaterial, die Ungenauigkeit von GPS und hohe Gebäude können aber dazu führen, dass diese Angaben nicht immer korrekt sind. Es empfiehlt sich, den eigenen Orientierungssinn und das Gehör voll einzusetzen, damit man nicht plötzlich mitten auf der Straße steht.
Das Erkunden der Umgebung, in der man sich gerade befindet, ist ebenfalls möglich. Man bekommt recht umfangreiche Informationen zu Straßen, Plätzen, Kreuzungen, aber auch Restaurants, Hotels oder Kulturstätten, die einem ohne sehende Hilfe verborgen bleiben würden.
Als GPS-Empfänger hatte ich den internen meines Mobiltelefons (Nokia N 82) sowie einen RBT 2100 von "RoyalTek" im Einsatz. Nach Aktivieren des "Wayfinder Access" hatte der interne Empfänger nach wenigen Minuten Satellitensignale und die Navigation konnte beginnen. Beim externen Empfänger dauerte es leider manchmal bis zu zehn Minuten, bis Signale empfangen wurden. Bei anderen Modellen, z. B. von Holux, kann das Ergebnis aber ganz anders ausfallen.
"Wayfinder Access" erlaubt es, den Aktionsradius eines blinden Anwenders zu erweitern. Hat er doch die Möglichkeit, seine Umgebung ohne sehende Hilfe weitgehend zu erkunden. Allerdings sind einige Punkte noch verbesserungswürdig. Man bekommt z. B. nicht angesagt, ob man sich auf der Straßenseite mit den geraden oder ungeraden Hausnummern befindet. Das Kartenmaterial, das direkt online durch eine Internetverbindung heruntergeladen wird, aber auch auf dem Handy gespeichert werden kann, ist nicht immer auf dem neuesten Stand, was der Anwender daran merkt, wenn ihm z. B. ein Restaurant angesagt wird, dessen Besitzer längst gewechselt hat. Das lückenhafte Kartenmaterial, die Ungenauigkeit des GPS (drei Meter und höher) und z. B. sehr hohe Gebäude führen leider häufig zu unkorrekten Angaben. Wahrscheinlich werden aus diesen Gründen nur mutige, sehr mobile blinde Anwender riskieren, einer von "Wayfinder Access" berechneten Route in völlig fremder Umgebung zu folgen.
Wünschenswert ist ferner die Angabe, wie viele Satelliten gerade empfangen werden und ob die GPS-Verbindung stabil ist.
Ein sehr nützliches Praxishandbuch zum "Wayfinder Access" kann beim Büro für barrierefreie Bildung in Herne heruntergeladen werden (www.bf-bildung.de). Weitere Informationen im Netz (www.wayfinderaccess.com).
Carsten Albrecht ist Mitarbeiter von INCOBS (Informationspool Computerhilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte). Er kündigt an, auch die neue, für Herbst 2008 angekündigte, Version des Programms zu testen (www.incobs.de).
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