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"Ich wollte die erste Ausgabe noch machen, weil ich der Braille-Schrift mein ganzes Leben lang treu geblieben bin", sagte Dr. Otto Hauck während der Redaktionssitzung für den ersten horus 2009. Mehr als 30 Jahre gestaltete der langjährige Vorsitzende des DVBS und heutige Ehrenvorsitzende der Selbsthilfeorganisation das Fachmagazin mit. Jetzt nimmt er seinen Hut. "Es ist ein guter Zeitpunkt. Es haben sich junge Leute gefunden, die mit neuem Schwung an die Arbeit gehen", begründet der 70-Jährige seine Entscheidung zum Ausstieg aus der horus-Redaktion.
Es ist freilich nicht möglich, all das aufzuzeigen, was es durch das engagierte und leidenschaftliche Wirken des Juristen in den vergangenen Jahrzehnten zwischen die beiden Umschlagseiten des horus schaffte. Stattdessen das als Einblick, was dem dienstältesten Redaktionsmitglied besonders im Gedächnis geblieben ist. Da ist zum Beispiel der Assistenzanspruch am Arbeitsplatz für Blinde und Sehbehinderte, der 2000 durchgeboxt wurde: "Einer der schönsten Momente, dafür habe ich 20 Jahre lang gekämpft." Oder die Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes im August 2006: "Der Lohn für fünf Jahre Arbeit." Neben dem fachlichem Erfolg ist aber auch ganz Persönliches präsent: "Der traurigste Moment war, als ich den Nachruf auf meinen Lehrer Dr. Friedrich Mittelsten Scheid schreiben musste", erinnert sich Hauck. Mittelsten Scheid, der im Juli 1981 90-jährig starb, hatte von 1923 bis 1973 Mathematik an der blista unterrichtet.
Aber wie wurde Hauck, Vorsitzender Richter des Marburger Landgerichts, zum horus-Redaktionsmitglied? "Ich rutschte rein, nachdem ich zum DVBS-Vorsitzenden gewählt worden war", blickt Hauck pragmatisch zurück. "Vorteilhaft" sei dieser Umstand gewesen, nicht zuletzt, um den Anstrengungen der Selbsthilfeorganisation für politische Mitbestimmung bei blinden- und sehbehindertenspezifischen Themen öffentlichkeitswirksam Ausdruck zu verleihen. Vorteilhaft für das Fachmagazin war, dass er stets großen Wert auf einen einwandfreien Stil und korrekte Schreibweise legte. "Ich hoffe einerseits, dass das DVBS-Aushängeschild horus so solide bleibt, wie es ist, und andererseits, dass es durch das junge Team mehr Pep bekommt", sagt Hauck. Übrigens: Gänzlich verzichten müssen die horus-Leser nicht auf ihn. Der Jurist wird auch in Zukunft als Autor für das Fachmagazin tätig sein.
Obgleich Hauck schon manche Überraschung in den Redaktionssitzungen erlebt hatte - von 1979 bis 2008 waren es 134 -, bot ausgerechnet seine letzte eine Premiere der besonderen Art: Statt der gewohnten Ceylon-Assam-Mischung, war versehentlich ein Kamillentee-Beutel in die Tasse des passionierten Schwarztee-Trinkers geraten. "Ich bin doch nicht krank!", entrüstete er sich. Recht so! Alles Gute für die Zukunft, lieber Dr. Otto Hauck!
Noch etwas: Die nächste Ausgabe erscheint am 18. Mai 2009. Schwerpunkt ist das Thema Sehbehinderung. Sie sind sehbehindert und möchten von ihren Erfahrungen im Alltag berichten? Gerne! Die Redaktion freut sich über Ihre Manuskripte, Ideen und Anregungen (E-Mail: horus@dvbs-online.de). Redaktionsschluss ist der 25. März 2009.
Motiv: Dr. Otto Hauck ist lächelnd im dunklen Anzug zu sehen. In den Händen hält er den bunten Blumenstrauß, den er zusammen mit einem Vier-Gang-Menü-Gutschein zum Dank für 30 Jahre aktive Mitarbeit in der horus-Redaktion erhielt. Foto: Susanne Schmidt
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