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Dietmar Böhringer: Tests von Bodenindikatoren durch blinde Menschen, Rollstuhl- und Rollatornutzer

Ergebnisse und Folgerungen

Auf dem Schulhof der Nikolauspflege in Stuttgart befindet sich seit acht Jahren eine Teststrecke für Bodenindikatoren. Die ersten dort gewonnenen Testergebnisse aus den Jahren 2000/2001 stehen seit längerer Zeit im Internet (www.gfuv.de). Nach Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen hat sich zwischenzeitlich die Zahl der Testfelder mit 38 verschiedenen Leit- und Aufmerksamkeitsstrukturen fast verdoppelt. Die meisten stammen aus Deutschland. Vorhanden sind aber auch Strukturen aus fünf Nachbarländern. Diese Teststrecke ist damit die umfangreichste begehbare Sammlung von Bodenindikatoren - zumindest in Deutschland.

Motiv: Die Teststrecke während des Umbaus: Quadratische weiße Leitstruktur- Elemente liegen aufgestapelt rechts im Bild. Links sind die verlegten und Aufmerksamkeitsstrukturen zu sehen. Foto: Dietmar Böhriger

2008 fand erneut ein Test statt. Dabei wurden einerseits die ursprünglichen Beurteilungen in vollem Umfang bestätigt: Als Spitzengruppe erhielten hohl klingende Bodenindikatoren, die nicht nur taktil, sondern auch akustisch sehr gut wahrnehmbar sind, wieder sehr gute Beurteilungen. Umgekehrt erreichte die einst favorisierte Struktur der sinusförmigen Rille mit Zehn-Millimeter-Achsabstand wieder nur den zweitschlechtesten Rangplatz und auch fast alle gegenwärtig normgerechten "20-Millimeter-Strukturen" rangierten auf den hinteren Rangplätzen. Deutlich besser schnitten Strukturen mit größeren Rippenabständen ab.

Motiv: Ein grafisch dargestelltes Schnittmodell zeigt den Testsieger, den Hohlkörper-Boden-Indikator ("Hobi"). Grafik: Polymerbeton

Andererseits wurden interessante neue Erkenntnisse gewonnen. So ließ sich im Hinblick auf Rippenstrukturen ermitteln, dass nicht nur die Breite und Höhe der Struktur wichtig ist, sondern auch die Form: Eine Rippenstruktur wird offensichtlich umso besser wahrgenommen, je schmaler und scharfkantiger die Rippen ausgebildet sind. Die am besten beurteilte Stein-Struktur hat Rippen mit trapezförmigem Querschnitt und einer Höhe von 4,5 Millimeter, einer "Talbreite" (gemessen einen Millimeter unter der Oberkante der Rippen) von 30 Millimeter und einer Rippenbreite (an dieser "Messebene") von acht Millimeter.

Motiv: Nahaufnahme der "38-mm-Rippenstruktur". Foto: Dietmar Böhriger

Im Gegensatz zu Leitstrukturen, die einen blinden Menschen von "A" nach "B" führen sollen, haben so genannte Aufmerksamkeitsstrukturen den Zweck, das Interesse zu erzwingen. In den letzten Jahren haben sich hier Noppenstrukturen mehr und mehr durchgesetzt.

Zwar wurde auch die schlechteste der 15 Aufmerksamkeitsstrukturen beim Test mit dem Blindenstock so positiv beurteilt, dass sie als "noch brauchbar" eingestuft werden kann. Zudem ergaben sich beim Testen mit den Füßen noch geringere Abweichungen als beim Testen mit dem Stock. Trotzdem zeigten sich deutliche Unterschiede: Noppen in der Form von Kegelstümpfen werden demnach mit dem Stock sicherer erfasst als Noppen in der Form von Kugelsegmenten. Neu ist auch die Erkenntnis, dass die Anordnung diagonal erfolgen sollte: Sind die Noppen parallel zu den Kanten angeordnet, werden sie eventuell von jenen blinden Menschen nicht wahrgenommen, die die zwar verpönte, aber eben doch gebräuchliche "Tramschienentechnik" anwenden und den Stock in Bodenindikator-Tälern vor sich her schieben. Die mit dem Blindenstock am besten beurteilte Stein-Struktur hat diagonal angeordnete, fünf Millimeter hohe Kegelstümpfe, die einen Durchmesser von 19 Millimeter und eine Talbreite von 36 Millimeter (jeweils an der "Messebene") aufweisen.

Motiv: Diagonalnoppen aus der Vorgelperspektive fotografiert: Neun quadratische weiße Platten im Quadrat. Links und rechts davon sind Aufmerksamkeitsstrukturen verlegt. Foto: Dietmar Böhringer

Bei den Tests durch Rollstuhl- und Rollatornutzer war die Benotung gerade umgekehrt: Für blinde Menschen untaugliche Bodenindikatoren wurden mit sehr gut, mit dem Blindenstock optimal ertastbare Strukturen teilweise sehr schlecht bewertet. Das Queren von selbst gröberen Rippenstrukturen ergab dennoch keine größeren Probleme. Als etwas schwieriger - jedoch zumindest noch "ausreichend" - zeigten sich Noppenstrukturen. Als am problematischsten für Rollstühle und Rollatoren erwies sich die diagonale "Waffelstruktur" (quadratische Noppen mit einer Seitenlänge von 140 Millimetern und einer Talbreite von 25 Millimetern).

Information

Eine ausführliche Darstellung der durchgeführten Tests und ihrer Ergebnisse ist auf der Website des GFUV (www.gfuv.de). Wer eigene Erfahrungen auf der Teststrecke sammeln möchte, kann sich per Telefon (07152 616084) an Dietmar Böhriger wenden.

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