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Lothar Rehdes: Tendenzen bei der Nutzung technischer Geräte

Blinde und sehbehinderte Menschen haben - wie andere Menschen auch - ein Interesse, elektrische und elektronische Geräte zu nutzen. Die Spanne reicht von Unterhaltungselektronik über Telekommunikation bis hin zu Haushaltsgeräten.

Die Grenzen im Elektronikbereich sind zunehmend fließend. Dabei ist der Gebrauch in den vergangenen Jahren kaum einfacher geworden. Die Technik ist hochkomplex; ein unaufhaltsamer Trend zur Miniaturisierung lässt die Abmessungen immer mehr schrumpfen.

Da es einfach nicht mehr möglich ist, jede Funktion über eigene Bedienelemente anzusprechen - es würden zu viele davon benötigt - hat sich die Menüsteuerung weitgehend durchgesetzt. Wenige universelle Bedienelemente (Cursorkreuz, Joystick) navigieren durch die mannigfachen Funktionen. Unverzichtbar ist in diesem Zusammenhang das Display, das Auskunft über den aktuellen Zustand gibt.

Leider versäumen es die Hersteller nach wie vor, neben der visuellen Kontrolle alternative Zugriffe zu ermöglichen. Die Folge: Wer ein Display nicht mehr erkennen kann, ist von der Benutzung dieser Technik ausgeschlossen oder auf eine rudimentäre Funktionalität beschränkt. Eine technische Barriere sorgt dafür, insbesondere blinde Menschen immer mehr von der Nutzung moderner Technik auszuschließen.

Vor einigen Jahren war es noch möglich, auf bedienbare Produkte auszuweichen (z. B. bei Videorecordern). Heute besteht diese Möglichkeit praktisch nicht mehr, da es in einigen Bereichen keine Geräte mehr gibt, die von Blinden bedient werden können; so sind z. B. moderne DVD- und Festplattenrecorder blinden Menschen generell unzugänglich.

Dabei gibt es Konzepte, die auch denjenigen, die keinen visuellen Zugriff auf die Technik haben, die Nutzung zu gewährleisten. Als Erfolgsgeschichte darf hier die Nutzung von Mobiltelefonen gelten. In dem Maße, wie es gelungen ist, für Handys so genannte Screenreader zu entwickeln (Talks, Mobile Speak), konnte dieser Bereich - wenn auch mit erheblichem finanziellem Aufwand für die Interessierten - zurückerobert werden. Voraussetzung dafür war, dass es mit dem Betriebssystem "Symbian" einen offenen Programmierstandard gibt, auf den Zusatzanwendungen aufsetzen können. Gedacht war dies ursprünglich für Spiele. Dieser Zugang konnte für die Screenreader genutzt werden, so dass das Mobiltelefon praktisch in seiner gesamten Funktionalität zur Verfügung steht. Dem Gerätehersteller wird dabei nicht einmal ein erhöhter Aufwand abverlangt, was sonst üblicherweise ein Argument gegen die Implementierung eines barrierefreien Zugangs ist. Was zu fordern ist, sind zumindest offene Programmierschnittstellen, an die Drittanbieter mit ihren assistiven Lösungen andocken können.

Die obige Situationsbeschreibung gilt prinzipiell auch für Haushaltsgeräte. Auch hier verschwinden traditionelle mechanische Stellglieder, um Display, Tipptasten und "Jog Dial" (Bedienelement auf elektronischen Geräten in Form eines mit dem Finger drehbaren Rades) Platz zu machen. Vorreiter sind hier Mikrowellen, aber auch Waschmaschinen und moderne Kochstellen (Induktionskochfelder) folgen diesem Trend. Dabei scheint die Zeit noch nicht reif für nachrüstbare Sprachausgabefunktionen. Zum einen ist die verwendete Firmware proprietär, Standards scheinen sich hier noch nicht durchzusetzen. Zum anderen ist die in den Geräten verbaute Rechenleistung für zusätzliche Programme wie Sprachausgaben noch zu schwach. Aber auch bei den Haushaltsgeräten wird man insgesamt nicht um Bemühungen herumkommen, die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel der Altersdurchschnitt der Bevölkerung zunimmt und die relevante Kundenklientel in diesem höheren Alterssegment zu suchen sein wird. Der Anteil an behinderten Menschen und solchen, deren körperliche und geistige bzw. sensorische Situation einer Behinderung nahe kommt (z. B. nachlassende Sehfähigkeit) wird beträchtlich zunehmen. Die Anbieter, die mit ihren technischen Lösungen diesem Trend Rechnung tragen, werden für die Zukunft am besten aufgestellt sein.

Informationen zum Autor

Lothar Rehdes engagiert sich beim Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte gGmbH in Berlin für einen barrierefreien Zugang zu Geräten aller Art durch blinde und sehbehinderte Menschen. Die Beratung Betroffener einerseits und Anbieter andererseits bilden Schwerpunkte seiner Arbeit.

Motiv: Lothar Rehdes sitzt an seinem Schreibtisch Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte gGmbH in Berlin. Seine Hand ruht auf der Braillezeile seines Rechners. Privatfoto

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