


Susanne Schmidt: (15. Oktober 2009)
Aktionstag bildet Abschluss der bundesweiten "Woche des Sehens"
Marburg. Seit 40 Jahren findet jährlich am 15. Oktober der "Internationale Tag des Weißen Stockes" der Vereinten Nationen statt, an dem blinde Menschen auf ihre Möglichkeiten und Probleme in der Gesellschaft aufmerksam machen. Aber was ist mit denjenigen, die gar nicht erst entdeckt werden? Anlässlich des Jubiläums weist der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) auf diese "unsichtbaren" Betroffenen hin.
Laut WHO-Zahlen gibt es 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland. Nur knapp 350.000 von ihnen besitzen einen Schwerbehindertenausweis. Dieser ist unter anderem Voraussetzung für Steuerfreibeträge, den Bezug von Blindengeld und die Befreiung von den GEZ-Gebühren. "Wir müssen davon ausgehen, dass viele Betroffene die Hürden nicht überwinden können, die zwischen ihnen und dem Ausweis stehen", stellt der DVBS-Vorsitzende Uwe Boysen fest und bezieht sich dabei auf das umständliche Verfahren, das mehrere Wege zu Ärzten und Behörden erfordert.
Der DVBS setzt sich seit mehr als 90 Jahren für die Belange und Interessen blinder und sehbehinderter Menschen ein. Neben einer hauseigenen Rechtsberatung bietet die Selbsthilfeorganisation unter anderem auch einen Aufspracheservice für wissenschaftliche Fach- und Sachliteratur.
Seit zwei Jahren produziert der Textservice des DVBS die Vorlagen im so genannten DAISY-Verfahren. Dadurch haben Blinde und Sehbehinderte mit speziellen Abspielgeräten oder am PC die Möglichkeit, direkt auf bestimmte Textstrukturen (Kapitel, Abschnitte, Seiten etc.) zuzugreifen und auch eigene Textmarken und Notizen einzubinden. Dies erlaubt Arbeitsweisen und Zugänge zu Texten, die bislang nur sehenden Nutzern möglich waren. "Die Technik wird auch von kommerziellen Hörbuchverlagen genutzt, da sie auch für sehende Leser hilfreich ist, etwa, wenn man ein Sachbuch schnell querlesen möchte", erklärt DAISY-Spezialist Andreas Wohnig vom DVBS.
Für die Produktion vier praktischer Ratgeber im speziellen "DAISY"-Format arbeitete die Selbsthilfeorganisation jüngst mit einer Krankenkasse zusammen. Die DAK bezuschusste das Projekt mit 1.600 Euro. "Dadurch konnten wir blinden und sehbehinderten Lesern einen Ratgeber für Eltern und Lehrkräfte zum Thema Ecstasy, ein Heilkräuter-Sachbuch sowie zwei Broschüren für Migränepatienten und Frauen mit Brustkrebs zugänglich machen", freut sich Michael Herbst, Geschäftsführer des DVBS.
Der "Tag des weißen Stockes" am 15. Oktober bildet traditionell den Abschluss der Woche des Sehens, die seit dem Jahr 2002 mit vielfältigen Aktionen bundesweit auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in den Entwicklungsländern aufmerksam macht. Schirmherrin der Initiative ist die Fernsehjournalistin Gundula Gause. Getragen wird die Aufklärungskampagne von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, dem Hilfswerk der Deutschen Lions sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG.
Wenn die Augen schwächer werden, helfen Betroffene mit Rat und Tat! Kontakt zur nächsten Beratungsstelle der Selbsthilfe unter Telefon: 01805 66 64 56.
sus
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