Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.

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Hellbusch: Google belohnt barrierefreie Internetseiten

(24. Juli 2006)

Jan-Eric Hellbusch ist einer der führenden bundesdeutschen Experten auf dem Gebiet des barrierefreien Webdesignes und er ist Mitglied im gemeinsamen Fachausschuss für Informationstechnologie (FIT) der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe hierzulande. Unlängst traf sich der FIT und die inhaltliche Kurzzusammenfassung liest sich bei Martin Jung, einem weiteren DVBS-Delegierten im Gremium, wie folgt: "Der FIT tagte vom 9.6.2006 bis zum 10.6.2006 in Fulda. Die Mitglieder berichteten über deren aktuelle Projekte. Weiterhin erfolgte eine kritische Auseinandersetzung mit dem österreichischen Ansatz eines barrierefreien Europäischen Computerführerscheins (ECDL, vgl. http://www.barrierefrei.ecdl.at/). Der Gastreferent Karsten Warnke informierte über den Stand des Projektes BIK - barrierefrei informieren und kommunizieren (vgl. www.bik-online.info). Dr. Thomas Kahlisch gab bekannt, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales das neue Projekt DaCapo2 zum Ausbau der Braillenotenproduktion in Deutschland finanziert. Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation zu den entsendenden Vereinen wurden beschlossen. Ein Entwurf zur Vereinheitlichung elektronischer Dokumente zur hauptsächlichen Verwendung innerhalb der Blindenschriftdruckereien wurde zusammen mit Gastreferent Peter Brass erarbeitet." Jan-Eric Hellbusch schrieb aber auch den folgenden Beitrag zu einem neuen Angebot der Firma Google:

Google belohnt barrierefreie Internetseiten

Für alle Internetnutzer sollte Google ein Begriff sein. Die bekannteste und leistungsfähigste Suchmaschine für Internetseiten führt seit vielen Jahren die Liste der Suchwerkzeuge im Internet an. Wie jedes Unternehmen entwickelt auch Google seine Produkte weiter: In den letzten Jahren sind neben der reinen Suchfunktion zahlreiche Ergänzungen zum Kernprodukt erschienen, etwa Google News , Google Maps oder Google Suggest . Am 20. Juli 2006 ist die erste Testversion einer weiteren Verbesserung der Google-Suche online gegangen: Google Accessible Search . Es handelt sich um eine Anpassung der Suchfunktion, die bei der Bewertung von Internetseiten die Barrierefreiheit höher bewertet als bisher. So können sich blinde und sehbehinderte Nutzer in Zukunft bei der Suche im Internet eher darauf verlassen, dass die Suchergebnisse bei Google auch mit Screenreadern und Vergrößerungssystemen bedient und gelesen werden können.

Trotz Bestrebungen nach Barrierefreiheit sind heute nur wenige Seiten wirklich gut zugänglich für blinde und sehbehinderte Nutzer. Google Accessible Search soll das Auffinden von relevanten Informationen in einer barrierefreien Form in den Vordergrund stellen.

Der Unterschied zur bisherigen Suchfunktion liegt in der automatisierten Prüfung von Internetseiten auf ihre Maschinenlesbarkeit, also auch ihre Lesbarkeit mit Screenreadern. Dazu gehört insbesondere die Standardkonformität, d.h.,dass Inhalte mit HTML gut strukturiert und Layouts mit Cascading Style Sheets (CSS) gestaltet werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass Seiten auch ohne Bilder funktionieren. Nach Angabe von Google werden auch einfachere und gut mit der Tastatur navigierbare Seiten höher eingestuft.

Als Ergebnis der Suchanfrage werden die barrierefreiesten Seiten höher bewertet. Für diejenigen, die die Unterschiede in der Bewertung testen möchten, gibt es bereits ein erstes Vergleichswerkzeug .

Der verantwortliche Entwickler bei Google, T.V. Raman , erklärte, dass er Google Accessible Search aus eigennützigen Gründen entwickelt hat. Der frühere Mitarbeiter bei IBM ist blind. Google fördere die Entwicklung eigener Ideen durch Nutzung der vorhandenen Ressourcen, sagte Raman auf CNET .

Die Testversion von Google Accessible Search befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Noch werden die Vorteile für Screenreader-Nutzer optimiert, aber denkbar ist, dass die Prüfung der Barrierefreiheit weiter ausgebaut wird. Mit Sicherheit werden aber die Erkenntnisse aus dieser Erweiterung des Suchalgorithmusses in die Standardsuche einfließen. Es ist nicht das erste Mal, dass Google mit seiner Vorreiterfunktion zuerst mit einem "Laborwerkzeug" an den Markt geht, um neueste Entwicklungen im Internet zu testen.

Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es aber: Die Seite von Google Accessible Search ist selbst nicht barrierefrei, denn Farben und Schrift sind festgelegt und nicht variabel, das Layout wird mit Tabellen statt mit CSS gestaltet und die Sprachangabe für Englisch fehlt, was mit der Sprachausgabe dazu führt, dass englische Texte zunächst in Deutsch ausgesprochen werden. Abgesehen von diesen Punkten ist die neue Suchfunktion aber genauso gut bedienbar wie die eigentliche Suchfunktion auf http://google.de. Google wünscht ausdrücklich Rückmeldungen von Nutzern. Diese können am Besten in englischer Sprache per E-Mail an labs+accessible@google.com erfolgen.

kp

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