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spezial 4: Kongress CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 10. Oktober 2007: Was behindert Arbeit?
Volker Kauder: Einführung

Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder MdB


Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wir haben zum zweiten Mal in dieser Woche einen Kongress zum Thema Menschen mit Behinderungen.

Am Montag ging es um die Paralympics im nächsten Jahr, da war der Saal schon gut gefüllt. Aber was wir heute erleben, schlägt alles! Danke, dass Sie gekommen sind. Das zeigt auch, wie intensiv Herr Hüppe das Anliegen bearbeitet und Kontakte pflegt. Denn, wenn Sie ihn nicht kennen würden, dann wären Sie nicht so vielzählig erschienen. Entscheidend ist das Thema des Kongresses. Lieber Hubert Hüppe: herzlichen Dank für deine Beharrlichkeit und Kompetenz, beides zeichnet Dich aus.

Wolfgang Schäuble hat am Montag gesagt, in seiner süffisanten Art, behinderte und nichtbehinderte Menschen unterscheidet im Wesentlichen, dass die behinderten wissen, wo sie behindert werden. Das war eine bemerkenswerte Aussage. Behinderte wissen genau, was ihre jeweilige Behinderung für Probleme mit sich bringt. Ein Thema ist die Teilhabe in der Gesellschaft, durch finanzielle Möglichkeiten, durch Barrierefreiheit im Verkehr, im Fußgängerbereich, auf Straßen - dies haben wir zu beachtlichem Teil schon erreicht.

Aber Teilhabe heißt auch Teilhabe am Arbeitsleben. Arbeit ermöglicht selbstbestimmtes Leben und macht einen Teil der Würde des Menschen aus. Vor allem Menschen, die mit behinderten Menschen arbeiten, wissen, wie wichtig das Thema ist.

Ich war zehn Jahre Sozialdezernent und hatte bei meiner Arbeit mit vielen Gruppen von Menschen zu tun. Eine Gruppe ist mir besonders ans Herz gewachsen: Die Gruppe der psychisch Kranken. Ich habe in der Begegnung mit ihnen viel gelernt. Ich habe Leute erlebt, die nichts umgehauen hat. Die haben zehn Stunden am Tag gearbeitet und dann kam die psychische Erkrankung, die Behinderung. Von da an hatten sie Schwierigkeiten, eine Arbeit zu bekommen. Da bedarf es der Hilfe und Unterstützung. Nicht unter dem Motto des Wehleidigen, sondern Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsmarkt, wie jeder andere Mensch auch. Sie sind keine anderen Menschen, sondern haben nur besondere Herausforderungen. Daher ist die Frage richtig: "Was behindert Arbeit?" und "Was können wir tun?"

In vielen Fällen wird Arbeit nur in Werkstätten möglich sein. Ich habe aber auch gesehen, dass wir Menschen aus den Werkstätten raus und in Arbeit bringen können. Dabei hängt viel davon ab, dass Solidarität auch unter allen Arbeitnehmern besteht, nicht nur unter behinderten Arbeitnehmern. Arbeit wird beispielsweise behindert, wenn in einer Arbeitsgruppe die Mitarbeiter nicht bereit sind, behinderte Menschen zu integrieren. Klar ist, dass jeder einen Beitrag leisten kann, damit behinderte Menschen in Arbeit kommen. Auch der Staat kann seinen Beitrag leisten. Wir haben beschlossen, die Vermittlungsgutscheine besser auszustatten. Wir haben Programme aufgelegt, für etwa 100.000 Menschen mit besonderen Schwierigkeiten. Aber wir müssen sehen, dass der Grad der Behinderung verschieden ist. Darauf müssen die Programme und die Bereitschaft der Arbeitgeber abgestimmt sein.

Wir haben im Bereich der Dienstleistungen die Erfahrung gemacht, dass dort behinderte Menschen eingestellt wurden, die unheimlichen Arbeitseifer an den Tag gelegt haben. Der behinderte Arbeitnehmer verwendet seine ganze Kraft, seine Arbeit richtig zu machen, auch das müssen wir vermitteln.

Behinderte einzustellen, ist nicht nur eine soziale Angelegenheit, sie kann den Firmen sehr wohl dienen. Zum Beispiel kann die Beschäftigung eines behinderten Mitarbeiters dabei helfen, das Arbeits- und Betriebsklima zu verbessern. Wir müssen alle Vorbilder sein, uns darum bemühen, behinderte Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Nicht nur darüber reden, sondern das Thema ernst nehmen und die Probleme lösen.

Sie werden heute konkret über das Thema reden, Forderungen an die Politik und die Gesellschaft richten. Behinderte müssen noch mehr ins Bewusstsein der Tarifparteien gerückt werden. Vieles kann durch Arbeitsbedingungen geregelt werden, die in Tarifverhandlungen festgelegt werden. Da muss das Thema noch mehr in den Vordergrund gerückt werden. Man kann Tarifverträge entsprechend gestalten.

Sie können sich darauf verlassen, dass bei uns das Thema sehr intensiv beraten wird. Politik heißt hier, den Menschen als Ebenbild Gottes zu sehen und jedem in seiner besonderen Situation gerecht zu werden. Es gelingt nicht immer, aber wir bemühen uns darum. Und die Tagung heute zeigt, dass wir gemeinsame Aufgaben und Ziele haben. Wir haben noch eine Reihe an Aufgaben vor uns: wie zum Beispiel die Reform der Pflegeversicherung und die Reform der Leistungsgesetze. Ich habe gelernt, gerade bei der Arbeit mit psychisch Kranken, im Umgang mit behinderten Menschen brauchen wir keine pauschalen Lösungsansätze, sondern wir müssen uns den Menschen zuwenden. Daher brauchen wir einen personenzentrierten Hilfeansatz. Je näher wir dem kommen, umso leichter wird es, die Probleme, die Arbeit behindern, zu überwinden.

Danke für die großartige Veranstaltung und Ihnen für Ihre Arbeit. Vielen Dank für das, was sie tun. Alles Gute.

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