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Frage an Herrn Schöneich: Als Nächstes möchte ich Herrn Schöneich begrüßen. Er berichtet aus der Sicht eines Arbeitgebers. Er ist Prokurist und kaufmännischer Leiter der Dämmisol Baustoffe GmbH. Sie haben sich am Markt behauptet, trotz großer Konkurrenz; Sie bilden auch aus, haben jetzt erste Erfahrungen mit einem lernbehinderten jungen Mann gemacht. Welche Veränderungen brachte das für Ihren Betrieb?
Ja, ganz einfach: wir machen die ersten Erfahrungen, sind im Baustoffhandel tätig, einem Umfeld, das dynamische, agile Menschen beschäftigt, weil viel schwere Ware transportiert wird. Der Alltag ist hektisch, wir sitzen mitten in Berlin, haben pro Minute eine Person zu versorgen. Es war lange nicht denkbar, dass ein behinderter Mensch bei uns ein Arbeitsumfeld findet. Durch Vermittlung der LOK [LernOrtKooperation der Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH, Berlin] sind wir in das Feld gestoßen worden. Wir sind gefragt worden, können Sie sich vorstellen, Menschen mit einer Lernschwäche einzustellen? Es gab einen jungen Mann, der sich erproben wollte, in unserem Bereich. Das war ein interessanter Einstieg, man hat sich unterhalten und wir haben unseren Horizont erweitert.
Behinderung existiert in unserem Unternehmen auch, aber in der Regel, weil sie während des Arbeitslebens dazukam, durch Krankheit etc. In dem Fall des jungen lernbehinderten Mannes war es eine Neueinstellung auf einer bisher unbesetzten Stelle und es gab eine Vereinbarung für sechs Monate. Wir wollten sehen, ob wir ihn einstellen können. Man fragt sich, warum man nicht schon früher darauf kam so jemandem eine Chance zu geben? Was spricht dagegen? Es spricht insofern nichts dagegen, da jeder neue Mitarbeiter sowieso besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Wir haben jedes Jahr mit jedem Mitarbeiter Gespräche zu führen, das ist nie problemlos, auch haben wir in der Ausbildung schwierige Jugendliche mit schlechten Zeugnissen, um denen eine Chance für den Beruf zu eröffnen. Und da sieht man, ob der Kern vorhanden ist. Der Kern ist, dass man sich für den Job interessiert. Und der junge Mann hat sich für den Beruf interessiert. Das ist wichtig, denn das Unternehmen ist nicht so attraktiv, keine glänzenden Büros etc., d.h. die Leute stehen nicht Schlange bei uns, man muss sehr belastbar sein und Leidenschaft für Baustoffe haben, um da arbeiten zu können. Der junge Mann hatte das. Wir wollten es erproben, der Erfolg ist überwältigend. Einmal sagte der Mann, es macht ihm richtig Spaß. So etwas ist nicht die Regel, und auch bei ihm ist es im Arbeitsleben bis dato noch nicht häufig vorgekommen. Wir versuchten, ihn gleich voll zu integrieren und haben die Infos an die Mitarbeiter über die Behinderung klein gehalten. Das sollte man beim Nächsten anders machen. Denn man stößt auch auf alle möglichen ablehnenden Reaktionen. Was man nicht offen bekannt gibt, verbreitet sich unter der Hand. Dann fällt das eine oder andere unangenehme Wort, die üblichen Vorbehalte, dann hat man Schwierigkeiten das gerade zu rücken. Also ist es besser offensiv ranzugehen beim nächsten Mal. Wir haben es im nach hinein hingebogen, eine Person zur Seite gestellt, die dem jungen Mann hilft. Der Erfolg ist befriedigend. Der junge Mann hat sich erheblich entwickelt, ist selbständig geworden und trotz der Schwierigkeiten am Anfang denke ich, werden wir die Maßnahme auch positiv beenden können und ihn einstellen. Und das ist der Einstieg, sich bei jeder neu zu besetzenden Stelle Gedanken zu machen, ob es da nicht Möglichkeiten für Menschen mit einer Behinderung gibt. Danke.
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