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spezial 4: Kongress CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 10. Oktober 2007: Was behindert Arbeit?
Themenblock II
Ursula Rost: Leiterin Integrationsfachdienst Berlin-Mitte, Union Sozialer Einrichtungen GmbH

Dann wenden wir uns dem Integrationsfachdienst (IFD) und damit Frau Rost zu. Sie ist Ergotherapeutin, Dozentin und Leiterin eines IFDs hier in Berlin. Frau Rost, welchen Personenkreis betreuen Sie? Und wie beurteilen sie die bestehenden Instrumente zur Vermittlung?

Ursula Rost, Leiterin Integrationsfachdienst Berlin-Mitte, Union Sozialer Einrichtungen gGmbH

Ich danke Ihnen für Ihre Einladung. Ich bin es nicht gewohnt vor so großen Menschenmengen zu reden, freue mich aber sehr heute hier sein zu dürfen.
Die Personen, die von den Integrationsfachdiensten, Bereich Vermittlung in Berlin betreut werden, sind arbeitsuchende, überwiegend langzeitarbeitlose, schwerbehinderte Menschen. Die Personen, die besonders interessant in diesem Zusammenhang sind, sind die Arbeitssuchenden, die seit langer Zeit keine Beschäftigung mehr hatten. Dies betrifft ca. 70% der von uns betreuten Kunden, die dem Rechtskreis SGB II zu zuordnen sind. Die Dauer der Arbeitslosigkeit liegt im Durchschnitt bei fünf Jahren. Wir betreuen Menschen, die von sechs Wochen bis zu 36 Jahren arbeitslos sind. Insgesamt haben wir sechs Monate Zeit, sie in Arbeit zu vermitteln. Ca 30 % unserer Kunden können wir auf ersten Arbeitsmarkt vermitteln.
Der größte Teil unserer arbeitsuchenden Kunden ist aufgrund organischer Erkrankungen (25%) oder Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparat (21%) behindert. 12, 5% unserer Kunden haben eine seelische Behinderung. 10,6 % sind ohne Ausbildung. Soweit zu Ihrer Frage, welcher Personenkreis von uns betreut wird.

Zur Beurteilung der Instrumente zur Integration: Ich bin seit zehn Jahren im IFD tätig. Die IFDs haben die Entwicklung des SGB IX und die Novellierung sehr interessiert beobachtet. Wir haben die Hoffnung damit verknüpft, dass dadurch die Durchlässigkeit des gegliederten Systems erreicht wird. 2001 war das SGB IX etabliert und trotzdem ist auch sechs Jahre später die Durchlässigkeit mitnichten erreicht. Ich bezweifle manchmal, ob die Politik das wirklich umsetzen möchte, was sie verkündet.

Ganz konkret zu der Situation der IFDs:

Von Frau Huxhold u.a. werden große Erwartungen an die IFDs gerichtet. Wir mögen das Persönliche Budget voranbringen, die Unterstütze Beschäftigung durchführen etc.

Wir erleben stattdessen seit 2005, seitdem die IFDs in die Strukturverantwortung der Integrationsämter übernommen wurden, dass die Finanzierung der IFDs im Bereich Vermittlung nicht sichergestellt ist. Seit Jahren wird das deutlich in allen Gremien zum Ausdruck gebracht.

Die gegenwärtig propagierte Lösung - Beauftragung der IFDs nach § 37 SGB III - ist, fachlich gesehen, mehr als unzureichend. Die dort vorgegebenen Bedingungen führen u.a. zu einer Verkürzung der Betreuungszeit für o.g. Personenkreis und zwangsläufig auch, aufgrund fehlender Planungssicherheit, zu Personalabbau in den IFDs. Ich bin ein sehr engagierter Mensch. Aber was ich gegenwärtig erlebe in Bezug auf die Finanzierung der IFDs einerseits und andererseits, was die IFDs alles leisten sollen, das ist schon unbeschreiblich.

Entweder werden die IFDs als Instrument für eine verbesserte berufliche Integration behinderter Menschen politisch gewollt und bieten entsprechend ihrer Aufgabenstellung Komplexleistungen an, was auch bedeutet, die Zuständigkeitsgrenzen im gegliederten System zu überschreiten. Wir stoßen bei unserer Arbeit, so wie die behinderten Menschen auch, immer an diese Grenzen der Zuständigkeit der jeweiligen Kostenträger, die Integration behindern.

Es bedarf - wenn IFDs ihrer Aufgabenstellung gerecht werden wollen - einer anderen Art der Sicherstellung der Finanzierung der IFDs. Ich kann die IFD-Fachberater nicht ständig wechselnd einstellen und entlassen, ihre Verträge befristen und ihnen dann Zielvereinbarungen abzwingen, dass sie so und so viel Prozent der Kunden vermitteln sollen. Und das alles unter den aktuellen Bedingungen des Arbeitsmarktes. Der steht nicht unbedingt den behinderten Menschen offen.

Wir brauchen, - das ist auch mein Wunsch und ich bin froh, dass sie das hier öffentlich zum Thema machen - politische Unterstützung.

Mittlerweile ist durch viele Modellprojekte schon erforscht und benannt worden, was zu einer verbesserten beruflichen Teilhabe behinderter Menschen notwendig ist. Wir erhoffen uns, dass wir hierfür von der Politik Unterstützung bekommen, dass das Benannte auf der Ebene der Leistungsgesetze umgesetzt und nicht immer nur mit schönen Worten umschrieben wird. Die aktuelle Realität der beruflichen Teilhabe sieht, leider noch, anders aus, als das, was hier (während des Kongresses) zum Teil benannt wurde. Vielen Dank!

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