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spezial 4: Kongress CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 10. Oktober 2007: Was behindert Arbeit?
Anhang: Stellungnahmen der Podiumsteilnehmer
Themenblock I: Stellungnahme von Stefan Göthling

Stellungnahme von Mensch Zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.V.


1.Im ersten Themenblock geht es zum einen um die Schnittstelle Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) - Allgemeiner Arbeitsmarkt.



Alle Menschen mit Lernschwierigkeiten müssen die Möglichkeit haben, außerhalb einer WfbM zu arbeiten. Egal wie viel Unterstützung sie brauchen. In der WfbM werden auch alle unterstützt. Und es gibt Gelder dafür. Damit Menschen mit Lernschwierigkeiten auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten können, brauchen viele Menschen mit Lernschwierigkeiten Arbeitsassistenz. Diese Arbeitsassistenz muss z.B. über das Persönliche Budget bezahlt werden können.


2. Zum anderen soll der Frage nachgegangen werden, wie interessante Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen außerhalb des Allgemeinen Arbeitsmarktes - z.B. in WfbM - ermöglicht werden können.



Man sollte das Dach der Werkstatt öffnen, so dass Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung zusammen arbeiten können. So können beide Seiten voneinander besser lernen. Wir wollen nicht, dass es "Sonderwelten" nur für behinderte Menschen gibt. Wir gehören zur Gesellschaft dazu. Auch bei der Arbeit. Und es gibt auch nicht behinderte Menschen, die bei der Arbeit etwas mehr Unterstützung brauchen. Ihnen kann die extra Unterstützung, die es in einer Werkstatt gibt, auch helfen.


3. Wie können also behinderte Menschen von Anfang an auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt eingebunden werden?


Es sollte von Anfang an nach den Stärken und Fähigkeiten des Einzelnen geschaut werden und nicht danach, was die Person nicht kann. Es müssen die Stärken in den Vordergrund gestellt und erweitert werden, denn jeder Mensch hat Stärken. Und dann muss man schauen, wo diese Stärken und Fähigkeiten in der Arbeitswelt gebraucht werden. Manchmal sind das vielleicht scheinbar kleine Arbeiten, die aber trotzdem gebraucht werden. Diese Arbeiten muss man auch ohne offizielle Ausbildung machen können. Aber wir brauchen immer jemanden, den wir ansprechen können, wenn wir Unterstützung brauchen. So etwas wie Integrationsfachdienste. Und wir müssen ein Recht auf Arbeitsassistenz haben - so wie wir ja in der WfbM auch immer Assistenz bekommen. Außerdem ist Ausbildung wichtig; wir wollen auch ausgebildet werden. Es muss Ausbildungen geben, die wir auch schaffen können. Wir brauchen für diese Ausbildungen gute Unterstützung. Und Leute, die wissen, wie wir gut lernen können. Das ist besonders für die Menschen mit Lernschwierigkeiten wichtig, die viel Unterstützung brauchen. Zum Beispiel für Menschen, die nicht sprechen können. Sie können trotzdem auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten.


4. Wie können Übergänge aus der Werkstatt intensiver unterstützt werden?


Es sollte mit jedem Menschen mit Lernschwierigkeiten der will eine Persönliche Zukunftsplanung gemacht werden, damit herausgefunden wird, was die Person gut kann, welche Stärken sie hat und was und wo die Person arbeiten möchte. Wenn jemand dann aus der Werkstatt in den 1. Arbeitsmarkt kommt, muss das gut unterstützt werden. Die Unterstützung soll aber nicht nur am Anfang da sein - sondern immer dann, wenn die Person oder der Betrieb die Unterstützung braucht. Die Person soll immer Anspruch auf Arbeitsassistenz haben. Denn: Nur weil wir aus der Werkstatt raus gehen, verlieren wir ja nicht an der Türe unsere Behinderung. Und unseren Assistenzbedarf.


5. Welche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Werkstattbeschäftigte?



Die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sind meist nur innerhalb der Werkstatt. Es müssen mehr Schulungen und Bildungsmöglichkeiten für Menschen mit Lernschwierigkeiten auch außerhalb der Werkstatt angeboten werden.

Die Schulungen sollten das Ziel haben, den Ergebnissen der Persönlichen Zukunftsplanung näher zu kommen oder sie zu erreichen. Zum Beispiel möchte ein Werkstattmitarbeiter oder eine Werkstattmitarbeiterin in seiner Persönlichen Zukunftsplanung Maurer / Maurerin werden. Dann muss geschaut werden, mit welchen Schulungen kann er oder sie Maurer / Maurerin werden. Oder eben etwas lernen, was mit dem Beruf Maurer / Maurerin zu tun hat. Zum Beispiel Gehilfe oder Gehilfin. Diese Schulungen müssen so gemacht werden, dass Menschen mit Lernschwierigkeiten ihre Ziele erreichen können.

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