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spezial 4: Kongress CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 10. Oktober 2007: Was behindert Arbeit?
Anhang: Stellungnahmen der Podiumsteilnehmer
Themenblock II: Stellungnahme von Bernhard Grunewald

Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)


9 Thesen zum Thema:



  1. Das gesetzlich erstmalig zum 1.5.2004 geschaffene Instrument eines "Betrieblichen Eingliederungsmanagements" nach § 84 Abs 2 SGB IX basiert in wesentlichen Elementen auf der positiven Erfahrung der globalisierten Deutschen Automobilindustrie, sich um Menschen intensiv zu kümmern, die länger als 6 Wochen im Jahr krank sind und im Betrieb mit ihrer Expertise fehlen - das BEM ist damit ein wichtiger Impuls zur aktuellen weltweiten Diskussion um die Entfaltung eines globalen "Disability Managements".

  2. Erstmalig übernehmen die Unternehmen selbst mit dem "Management" der nachhaltigen betrieblichen Eingliederung länger erkrankter Mitarbeiter eine aktive Rolle und eigenständige Verantwortung im internen und externen Gesundheitsgeschehen - dieser Wertewandel spiegelt sich bereits in einen zunehmend strukturierten Präventions- und Gesundheitsmanagement vieler Unternehmer zugunsten ihrer Belegschaften wieder (z.B. "Gesundheits-Check") und sollte weiter gefördert werden.

  3. Alle Erfahrung zeigt: Für den Betroffenen wird die Hinwendung des Arbeitgebers zu seinem Schicksal eine persönliche Ermutigung und Unterstützung, aus der eine noch engere Verbindung mit dem Unternehmen hervorgeht - der Einfluß von Vorgesetzten/ Unternehmens in puncto Motivation der Betroffenen innerhalb des BEM darf nicht unterschätzt werden.

  4. Das BEM ist deshalb zwischenzeitlich unverzichtbarer Bestandteil der Alltagskultur unserer Branche, die im übrigen mit einer Erfüllung der Pflichtquote in 2006 von 5,5% bundes- und industrieweit einzigartige Erfolge bei der Integration von schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten Menschen vorweisen kann.

  5. Das BEM schreibt eine industrieweite Erfolgsstory fort, die mit dem Thema Suchterkrankung begann: der betriebliche Ansatz, sich frühzeitig und professionell um erkrankte Menschen zu kümmern, hat sich mit den Schlüsselfaktoren "aktive Mitwirkung des Mitarbeiters", "Erkennen der Eigenverantwortung", "nachhaltige Unterstützung durch Vorgesetzte" sowie "Netzwerk der Zusammenarbeit betrieblicher und externer Akteure" als richtiger Weg erwiesen, diese Problem erfolgreich anzupacken.

  6. Das BEM organisiert dauerhaft die erfolgreiche Rückkehr, Integration und Weiterbeschäftigung von Menschen mit Behinderung und gesundheitlichen Einschränkungen in den Betrieben , stabilisiert deren Anwesenheit und Verfügbarkeit, also auch deren Beschäftigungsverhältnis, verringert Kosten der Unternehmen und Lasten des Betroffenen, wirkt kostendämpfend im Gesundheitssystem, vermeidet Kündigungen, entlastet den Arbeitsmarkt - eine "Winner-Winner-" Situation für Alle.

  7. Das BEM hilft, den historisch niedrigen Krankenstand nicht nur in der Autoindustrie zu halten - "sich kümmern" um Langzeitkranke trägt dabei auch zur Weiterentwicklung eines betrieblichen Erfahrungsschatzes bei, wie die Stärken des heutigen Netzwerkes zwischen Betrieb, Arbeitsmedizin, niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern, Krankenkassen, Reha-Trägern - mit der zeitnahen Inanspruchnahme deren unterstützender Leistungen - noch verbessert werden können.

  8. Das BEM besitzt als zukünftig entscheidendes Schlüsselelement Ausstrahlungscharakter, wenn es um das Thema "Älter werden im Betrieb" geht - im BEM entstandenes "kristallines Wissen" wird hochwirksam dazu beitragen, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit alternder Belegschaften wirksam zu erhalten.

  9. Mit dem BEM erscheint der Arbeitsplatz / Betrieb neu auf dem Radar unseres Gesundheitssystems, so dass systemische Lücken und Schwächen im Gesundheitswesen erkennbar werden - sowohl bei den unterbeanspruchten Vorsorgeuntersuchungen als auch bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Reha-Maßnahmen, der Einleitung einer stufenweise Wiedereingliederung, dem Erkennen von Behandlungsreserven, von Restleistungsvermögen und Motivationshemmnis bis hin zur Förderung eines gesundheitsbewusstem (Arbeits)Lebens.


*Unser bereits 1961 gegründeter Arbeitskreis, der eng mit dem BMAS, der BIH, der Bundesbehindertenbeauftragten, der Wissenschaft, Fachbehörden und Verbänden kooperiert, umfasst mit Audi, BMW, Daimler, Evobus, Ford, IvecoMagirus, Karmann, MAN, Opel, Porsche, Volkswagen die wichtigsten deutschen Traditionshersteller von PKW, LKW und Omnibussen. Seine Mitglieder vertreten im betrieblichen Alltag die Interessen von aktuell branchenweit 25.000 schwerbehinderten Menschen sowie weiteren 25.000 Menschen mit arbeitsmedizinischen Einsatz-Einschränkungen. Der Arbeitskreis unterstützte federführend BMAS-Studien der Universitäten Trier/Wien/Köln zu "Integrationsvereinbarungen", war an der SGB IX-Novellierungsdebatte und dem 3.Internationalen Forum Disability Managment 2007 in Brisbane/Australien beteiligt, vorbereitet durch eine Fachtagung bei Karmann. Er trifft sich einmal jährlich im Turnus bei einem Hersteller unter Schirmherrschaft der jeweiligen Hauptfürsorgestelle. Am 7.Mai 2007 u.a. erstes Zusammentreffen mit allen behindertenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen. Die Arbeitstagung 2008 wird unter Beteiligung des BMAS sowie des IGMetall- und Audi-Vorstandes in Ingolstadt durchgeführt.

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