Ein Stifter muß kein Millionär sein

"Unsere Stiftung lädt zu einem gemeinschaftlichen Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger ein", sagt Dr. Otto Hauck, Vorsitzender der in Marburg ansässigen neuen "Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf". "Der Grundgedanke einer Gemeinschaftsstiftung stammt aus den "Community Foundations" der USA. Wir haben daraus ein Modell für Stifterinnen und Stifter in unserem Lande gemacht", ergänzt der blinde Richter im Ruhestand. Den Aufbau der Stiftung fördert jetzt die Commerzbank-Stiftung.

Commerzbank hilft mit 20.000 Mark

Marburg, 9. Dezember

Gleich zwei Schecks hatte Jörg Ruhrmann, Chef der Marburger Commerzbank heute Vormittag dabei. "Mit 10.000 Mark nämlich", erklärte er, "will die Commerzbank in diesem Jahr den Aufbau einer neuartigen Institution - einer "Gemeinschaftssstiftung" für Blinde und Sehbehinderte fördern. Noch einmal so viel spendet sie für Informationsmaterial, das darüber berichtet, wie Menschen mit Sehproblemen sich in qualifizierten Berufen bewähren". In den Marburger Räumen des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) nahm Stiftungsvorsitzender Dr. Otto Hauck die Schecks entgegen.

Die ersten Zustifter sind Blinde und Sehbehinderte

Initiator der neuen Gemeinschaftsstiftung ist die Selbsthilfeorganisation des DVBS. "Ein junger Mensch, der blind ist, kann heute trotzdem studieren. Wer im Alter Sehprobleme bekommt, kann sich durch ein spezielles Training zurück ins Leben tasten, Zeitschriften weiterhin hören und vieles mehr", sagte Dr. Hauck, als er die Hilfe der Commerzbank entgegennahm.

Beratung und Erfahrungsaustausch, Fortbildungen und einen Literaturservice organisiere dafür seit langem der DVBS. Dazu kämen nun neue Aufgaben, so seien Hilfsmittel zu entwickeln und die Öffentlichkeit aufzuklären: zur Bedienbarkeit von Geldautomaten, des Internet usw. Ein solches Aufgabensprektrum, erläuterte Hauck, könne eine Selbsthilfeorganisation allein nicht mehr leisten. Deshalb habe der DVBS die neue Institution einer Gemeinschaftsstiftung initiiert. "Es ist klar, daß unsere Organisation selbst dafür nur einen kleinen finanziellen Grundstock einbringen konnte", berichtete der seit seiner Kindheit selbst blinde Stiftungsvorsitzende, "um so mehr freut es mich, daß die ersten Zustiftungen aus unserem eigenen Kreise kamen". Darüber hinaus fand die Stiftung 10 erfahrene blinde und sehbehinderte Juristinnen und Juristen, die künftig in ganz Deutschland interessierte Stifterinnen und Stifter informieren und beraten werden. "Dabei ist es", hob Dr. Hauck hervor, "das Wesen einer Gemeinschaftsstiftung, daß sich ihre Stärke aus dem Engagement vieler Stifterpersönlichkeiten ergibt". So müssen Zustiftende längst keine Millionäre sein, damit ihr Geld dauerhaft erhalten bleibt und über viele Jahre hinweg den Stiftungszwecken zugute kommt. "Auch wer einen eigenen Stiftungsfond oder eine eigene Stiftung zum Wohle Blinder und Sehbehinderter errichten will, kann dies bei der Gemeinschaftsstiftung tun", ergänzte Hauck.

Im Vorstand der Stiftung finden zwei blinde Richter und zwei Finanzfachleute zusammen. "Auf diese Weise wollen wir gewährleisten", erläuterte Hauck, "daß das uns anvertraute Geld einerseits sicher verwaltet und andererseits kompetent eingesetzt wird". Das erste Projekt, das die Stiftung fördern wird, ist die Einführung speziell entwickelter digitaler Hörbücher für blinde und sehbehinderte Studierende. In diesen Hörtexten wird man blättern können, wie in einem Buch. "Mit weiteren Förderungen wollen wir uns speziell an Seniorinnen und Senioren wenden sowie an die Gestalter von Internetseiten", schloß Hauck, "dafür muß unsere Stiftung an Stärke aber noch zunehmen".

Stiftungsvorstand:

Dr. Otto Hauck, Vorsitzender Richter am Landgericht i.R., Marburg
Uwe Boysen, Richter am Oberlandesgericht, Bremen
Friedrich Bohl, Kanzleramtsminister a.D., Marburg
Jörg Ruhrmann, Bankdirektor, Marburg

Kontakt:

Gemeinschaftsstiftung für Blinde und Sehbehinderte, Frauenbergstr. 8, 35039 Marburg, Vorsitzender Dr. Otto Hauck, Tel. 06421/94 88 8-0, Fax 06421/94 88 8-10,
E-Mail: gemeinschaftsstiftung@dvbs-online.de

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